Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat vor ein paar Tagen den Entwurf einer Verordnung für eine neue Berechnungsmethode der seit 2011 vorgeschriebenen Zinszusatzreserve (ZZR) vorgelegt. Damit sollen die Rückstellungen, die die Lebensversicherer für die Bedienung von hochverzinsten Altverträgen bilden müssen, reduziert und die Gesellschaften dadurch entlastet werden. Die Verordnung ist eine Konsequenz aus der Evaluierung des Lebensversicherungsreformgesetzes, die das BMF vor einiger Zeit vorstellte.

Die Beiträge zur ZZR, die bislang rund 60 Milliarden Euro umfassen, werden von den Rohgewinnen der Versicherer abgezogen und schmälern so die Geschäftsergebnisse und damit auch die Überschüsse, aus denen Versicherungskunden beteiligt werden. Viele Versicherer klagen ohnehin, dass die Minizinsen im Anlagebereich ihre Erträge und Gewinne massiv drücken – auch ohne den staatlich aufgezwungenen Puffer.

Korridormethode
Bislang berechnet sich die Reserve aus der Differenz zwischen einem Referenzzins und dem durchschnittlichen Garantiezins einer Policengeneration. Als Referenzzins wird der Durchschnitt der Monatsendrenditen zehnjähriger europäischer Staatsanleihen höchster Bonität der vergangenen neun Jahre plus dem aktuellen, von der Bundesbank veröffentlichten Basiszins, genommnen. Das Absinken dieses Referenzzinses auf im Moment 2,21 Prozent hat dazu geführt, dass die Versicherermittlerweile für Policen mit einem Rechnungszins von 4,00 Prozent, 3,50 Prozent, 3,25 Prozent, 3,00 Prozent, 2,75 Prozent und 2,25 Prozent die ZZR stemmen müssen. 

Die neue Korridormethode geht einen etwas anderen Weg. Sie wurde von der Deutschen Aktuarvereinigung in Abstimmung mit der Finanzaufsicht Bafin entwickelt und soll "große Sprünge bei der ZZR-Bildung verhindern und ihre Finanzierung weitmöglichst aus den laufenden Erträgen ermöglichen", so die Assekurata Rating-Agentur. Auch hier ist der oben beschrieben Referenzzins die Ausgangsbasis.

Allerdings wird nun zusätzlich eine untere Grenze oder "Korridor" definiert, die nicht unterschritten werden darf. "Die Breite des Korridors ergibt sich dabei als prozentualer Anteil der Differenz zwischen dem ursprünglich berechneten Referenzzins und dem aktuellen Basiszins", erläutert Thomas Keßling, Analyst und Fachkoordinator Lebensversicherung der Assekurata. "Sie ist somit für die Höhe der ZZR-Zuführung von besonderer Relevanz." Diesen prozentualen Anteil hat das BMF auf neun Prozent fixiert. 

So wird ab sofort gerechnet
Hört sich kompliziert an – ist es auch, sodass letztlich nur eine Beispielrechnung diese Aussagen für die untere Grenze verdeutlichen können: Nach der alten Methode würde der Referenzzins von derzeit 2,21 auf 1,88 Prozent absinken – die Versicherer müssten die Differenz von 0,33 Prozentpunkten ebenfalls für die ZZR stemmen. Nach der Korridormethode beträgt der neue Referenzzins knapp 2,1 Prozent, da nach den Vorgaben der Verordnung des BMF wie folgt gerechnet wird: 2,21 (aktueller Referenzzins) abzüglich des aktuellen Basiszinses von 0,98 Prozent ergibt 1,23 Prozent. Das Ergebnis muss mit neun Prozent multipliziert werden, was nach Adam Riese 0,1107 Prozent macht. Und 2,21 Prozent minus 0,1107 ergibt 2,099 Prozent – also knapp 2,1 Prozent, die Untergrenze und damit der Referenzzins.

Damit werden die Auswirkungen der sinkenden Zinsen abgefedert. Steigen die Null-Kupon-Zinssätze aber wieder und es ergibt sich rechnerisch eine höherer Referenzzins, so wird natürlich dieser genommen.

Die neue Berechnungsmethode bedeutet, dass die Lebensversicherer im laufenden Jahr mit rund 14 Milliarden Euro entlastet werden, wie Assekurata berechnete: Für 2018 sollten laut der Kölner Gesellschaft bis zu 22 Milliarden hinzukommen. Nach der neuen Berechnungsmethode, die schnell umgesetzt werden soll, dürften es nur sieben bis acht Milliarden Euro werden. (jb)