Schätzen Sie doch mal: Wie viele Anleger sind bereit, ihr Geld einem Online-Vermögensverwalter anzuvertrauen? Es sind weniger, als mancher tradionelle Asset Manager denken mag: Gerade einmal elf Prozent haben schon oder würden ein Depot bei einem Robo-Berater eröffnen. Das zeigt eine im April vom Forschungsinstitut Yougov durchgeführte Online-Befragung unter mehr als 1.000 Personen mit einem Einkommen von mehr als 4.000 Euro.

Ferner ergab die Umfrage, die vom Finanz-Softwareanbieter Ortec Finance und der Unternehmensberatung Concedro in Auftrag gegeben wurde, dass 47 Prozent der Befragten ein hybrides Modell bevorzugen – also eine Kombination aus persönlicher Beratung und digitalen Werkzeugen. Unterm Strich deutet die Befragung an, dass der deutsche Markt für Robo-Beratung demnach noch in den Kinderschuhen steckt. 

Anfänglicher Zauber ist verflogen...
Ob er aus diesen rasch herausfindet, ist fraglich. Grund: Die erste Begeisterungswelle unter potenziellen Geldgebern ist angesichts eher durchwachsener Investmentresultate diverser Robos Ernüchterung gewichen, und nicht nur Verbraucherschützer hegen mittlerweile massive Zweifel an der grundsätzlichen Leistungsfähigkeit der prozessorengesteuerten Portolios. Nichtsdestotrotz grassiert das Fieber unter den Gründern unverändert weiter – sowohl aufseiten etablierter Banken und Asset Manager als auch im Lager junger, unabhängiger Start-up-Unternehmer.

...nur nicht aufseiten der Gründer
In den vergangenen Jahren schossen nicht weniger als 27 Online-Vermögensverwalter aus dem Boden, die auf einen allmählichen Sinneswandel der Kunden hoffen – davon alleine acht, seit FONDS professionell ONLINE im August 2017 sein erstes umfassendes "Who’s Who" der deutschen Robo-Szene veröffentlichte.

Deren insgesamt verwaltetes Vermögen kann mangels "harter" Zahlen nur grob geschätzt werden: Branchenkenner taxieren die Summe auf gut zwei Milliarden Euro – verglichen mit den rund drei Billionen Euro, die alteingessene Asset Manager deutschlandweit verwalten, ist das bloß eine Nische, deren bisherige Größe für den betriebswirtschaftlich sinnstiftenden Fortbestand vieler Anbieter kaum ausreichen dürfte, zumal allein der Branchenprimus mehr als eine Milliarde Euro – also die Hälfte des Gesamtmittelaufkommens – auf sich vereint.

FONDS professionell ONLINE hat in einer zweiteiligen Mini-Serie die Anbieter in einer aktualisierten, alphabetisch geordneten Übersicht zusammengestellt. Zunächst zeigen wir, welche selbstständigen Robo-Start-ups den deutschen Markt bespielen. Im nächsten Teil, den wir kommende Woche veröffentlichen, listen wir auf, hinter welchen Playern etablierte Banken oder Vermögensverwalter stecken. (jb/ps)