Der spanische Finanzkonzern Santander rüstet sich mit einem Generalumbau für harte Zeiten im deutschen Bankgeschäft. Das Institut möchte in den kommenden Jahren 100 Filialen schließen und die Zahl der Arbeitsplätze im Vertrieb um 350 reduzieren. Auch die Verwaltung muss Federn lassen. "Durch den Abbau von Überschneidungen und durch Effizienzgewinne in Folge von Digitalisierungsprojekten werden wir in der Hauptverwaltung bis voraussichtlich 2020 insgesamt 250 Arbeitsplätze einsparen", schreibt Deutschlandchef Ulrich Leuschner in einem Brief an seine Mitarbeiter, der FONDS professionell ONLINE vorliegt.

Hauptverwaltung und Steuerungsfunktionen werden in Mönchengladbach zentralisiert. "In Frankfurt sollen nach derzeitiger Planung lediglich das Business & Corporate Banking (BCB) sowie das auf BCB ausgerichtete Risk Management verbleiben", so Leuschner. Die Büros an der Bockenheimer Landstraße 39, die Santander mit dem Kauf des Privatkundengeschäftes der schwedischen SEB 2011 übernommen hatte, sollen aufgegeben und stattdessen kleinere Büroflächen angemietet werden. Allein in Frankfurt sind rund 150 Mitarbeiter betroffen. Santander Asset Management und die deutsche Zweigniederlassung von Banco Santander S.A. blieben jedoch in Frankfurt, teilte eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE mit.

Aus drei Marken wird eine
Verschlankt wird auch der Markenauftritt. Seit der Übernahme des SEB-Privatkundengeschäftes agieren die Spanier hierzulande mit den Marken Santander Consumer Bank und Santander Bank, dazu kommt die Direktbank-Marke Santander Direkt. Ab Mitte kommenden Jahres soll es einen einheitlichen Auftritt als "Santander" geben.

Die Umbauarbeiten basieren auf einem Projekt namens "One", das die Bank im Februar gestartet hatte. Mit dem Projekt "wollen wir uns zu einer modernen Omni-Channel-Bank entwickeln, die die umfassende Kundenbeziehung in den Mittelpunkt stellt", schreibt Leuschner seinen Mitarbeitern. Damit solle die "weitere nachhaltige und positive Entwicklung" der Bank für die kommenden Jahre gesichert werden. "Unser Ziel ist es, die beste Bank für Mitarbeiter und Kunden zu werden", schreibt der Vorstandschef.

Pilotprojekt mit Fernberatung
Leuschner betont, dass der Umbau nicht aus der Not heraus erfolgt. "Im Jahr 2016 konnten wir ein herausragendes Ergebnis erzielen und sind gut in das laufende Jahr gestartet. Aus dieser Position der Stärke können wir den Transformationsprozess für die Zukunft gestalten."

Künftig soll sämtlichen Kunden in einem einheitlichen Vertriebsnetz eine einheitliche Produktpalette angeboten werden. "Unser Ziel ist, keinen Kunden zu verlieren, sondern vielmehr mit einer strafferen Organisation und erweiterten, auf Call-Center, Video und online basierenden Beratungsangeboten auf Dauer neue Kunden zu gewinnen und so an uns zu binden, damit sie loyale Kunden werden." Ab Anfang kommenden Jahres soll in einem Pilotprojekt "Remote Advisory" (Fernberatung) getestet werden.

Assessment-Center für zukünftige Filialleiter
"Wir brauchen Filialen, wir brauchen ein effizientes Filialnetzwerk, und wir brauchen die besten Mitarbeiter", so Leuschner. Dabei herrscht Wettbewerb: Auf offene Stellen sollen sich nicht nur Filialmitarbeiter bewerben können. Zukünftige Filialleiter sollen ein Assessment-Center durchlaufen.

Leuschner kündigte an, "unverzüglich Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern aufnehmen, um eine sozialverträgliche und einvernehmliche Lösung zu finden". Ziel sei "ein Sozialplan, um sämtliche Maßnahmen so sozialverträglich wie möglich umzusetzen". Denkbar seien zum Beispiel eine Vorruhestandsregelung sowie die Gründung einer Transfergesellschaft mit verlängerten Kündigungsfristen. Die genannten Maßnahmen sollen spätestens ab April 2018 umgesetzt werden. (bm)