Die Dekabank hat für ihre Fondspalette die Kosten für externes Research erstmals konkret beziffert. Der Wertpapierdienstleister der Sparkassen legte für seine Portfolios einen Maximalwert fest, der für Analysen von Dritten aufgewendet werden kann. Diese Höchstgrenze rangiert zwischen 0,10 und 0,20 Prozentpunkten des jeweiligen Fondsvolumens. Dies geht aus einer Vertriebsmitteilung hervor, die FONDS professionell ONLINE vorliegt. Diese gilt für die in Deutschland angesiedelten Vehikel des Hauses.

Der Hintergrund für diesen Schritt sind Neuregelungen, die mit der Finanzmarktrichtlinie Mifid II Anfang 2018 in Kraft treten. Damit müssen die Fondsanbieter künftig die Ausgaben für Studien genau aufschlüsseln. Bislang verteilen Investmentbanken und Broker die Analysen im Gegenzug für Handelsaufträge. Solche Gegengeschäfte erschienen den Regulierern aber zu undurchsichtig. Künftig müssen daher Asset Manager die Kosten für Wertpapiertransaktionen und Research gesondert ausweisen.

Nullsummenspiel erhofft
So belastet die Deka die Anleger von Fonds wie dem Deka Global Balance mit bis zu zehn Basispunkten für Research, den Deka Multi Asset Income mit 15 oder den Deka Dividenden-Strategie-Fonds mit 20 Basispunkten. "Dies sind jedoch Maximalwerte, die in der Praxis keinesfalls voll ausgeschöpft werden", betonte ein Sprecher auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE.

Zudem sollten die Transaktionskosten sinken, da hier ja die Ausgaben für Research nicht mehr enthalten sind. Für Anleger sollten der Deka zufolge also unter dem Strich keine Mehrkosten anfallen. Eventuell würden die Gebühren sogar sinken, da künftig nur sehr ausgewähltes Research eingekauft werde. Zudem arbeite das Haus derzeit daran, die Handelskosten zu optimieren, hieß es aus der Deka-Zentrale. Branchenkennern zufolge entfällt bislang die Hälfte bis zwei Drittel der Transaktionskosten auf Research.

Kehrtwende vollzogen
Neben der Deka gehen bislang der französische Vermögensverwalter Carmignac sowie die Man Group diesen Weg. Amundi hatte sich eigentlich ebenfalls dazu entschieden, denkt nun aber offenbar noch einmal nach. Denn neben dem Weg, die Ausgaben für Studien Dritter dem jeweiligen Fondsvermögen zuzuweisen, gibt es noch die Option, die Kosten für externes Research auf die eigene Bilanz zu nehmen, wie es der Großteil der Fondsanbieter künftig halten will.

Diesen Weg nimmt nun auch Union Investment. In einem Interview hatte Vorstand Alexander Schindler noch angekündigt, dass der Fondsanbieter der Genossenschaftsbanken die Research-Kosten wie bisher den Portfolios zurechnen werde. Dann vollzog das Haus aber eine Kehrtwende – und übernimmt die Kosten künftig doch selbst.

Allein auf weiter Flur
Union Investment hatte aber ebenfalls schon eine Gebührenordnung für die Researchkosten aufgestellt. Dies geht aus einer weiteren Vertriebsmitteilung hervor, die FONDS professionell ONLINE vorliegt. Bei den Genossen liegt die Höchstgrenze am oberen Ende bei 20 Basispunkten, am unteren Ende nur bei fünf Basispunkten. Bei einem Geldmartkfonds für institutionelle Investoren setzte die Union sogar nur einen Basispunkt an. Dieser Kostenschlüssel sei noch entwickelt und herausgegeben worden, bevor die Führungsetage der Union entschieden hatte, die Kosten auf die eigene Bilanz zu nehmen, erklärte ein Sprecher auf Nachfrage der Redaktion.

Neben Union Investment haben sich auch die Häuser Janus Henderson und Schroders umentschieden. Wollten sie zunächst die Researchausgaben den Fonds zuweisen, schwenkten sie nun auf den Branchentrend um und nehmen die Kosten auf die eigene Kappe. Schwenkt Amundi auch noch um, stünden Carmignac, Man und die Deka weitgehen alleine da. Angesichts dieser Lage scheint es nicht ausgeschlossen, dass auch die Deka-Führung im Frankfurter Trianon-Hochhaus noch einmal neu nachdenkt. (ert)