Die Sparkasse Köln-Bonn plant in den kommenden fünf Jahren einen massiven Stellenabbau. Das größte kommunale Geldinstitut Deutschlands will rund 850 der derzeit 4.200 Mitarbeiter von der Gehaltsliste streichen, wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" unter Berufung auf Unternehmenssprecher Norbert Minwegen berichtet. Der Personalabbau werde "verantwortungsvoll und sozialverträglich gestaltet". Betriebsbedingte Kündigungen "hat es bei der Sparkasse Köln-Bonn noch nie gegeben", zitiert die Zeitung Minwegen.

Hauptgrund für die drastische Maßnahme sei die unaufhaltsame Digitalisierung der Branche, durch die weniger Personal benötigt wird. "Dass die gesamte Branche schrumpft und auch wir uns diesem Trend nicht werden entziehen können, kommunizieren wir unseren Mitarbeitern bereits seit gut zehn Jahren offen und transparent", betont Minwegen gegenüber der Zeitung.

Der Abbau von immerhin fast einem Viertel der Belegschaft soll bis 2022 derart erfolgen, dass die Personalkosten trotz eventueller Lohnerhöhungen konstant bleiben. Freiwerdende Stellen werden zumeist nicht nachbesetzt, Neueinstellungen erfolgen "in sehr begrenztem Maße nahezu ausschließlich in digitalen Berufsfeldern". Der Personalrat habe den Mitarbeitern die Maßnahmen auf einer Versammlung bereits erläutert.

Steuerzahler bleibt bei Köln-Bonnern außen vor
Im Angebot sind verschiedene Vorruhestands- und Altersteilzeit-Modelle: Besonderen Anklang finde dabei eine Variante mit zusätzlichem Jahresurlaub bei gleichzeitigem Gehaltsverzicht. Davon, so Minwegen, habe 2016 schon etwa jeder vierte Beschäftigte Gebrauch gemacht.

Der Sparkassen-Sprecher betonte auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE, dass sein Institut nicht auf das umstrittene "Vorruhestand-Flex-Modell" setzen wird, zu dem andere Sparkassen bei ihren Stellenstreichungsprogrammen ihren Angestellten raten – und bei denen auch der Steuerzahler zur Kasse gebeten wird, wie der "Spiegel" berichtet. Im Kern erhalten ältere Bankmitarbeiter bei diesem "Vorruhestand-Flex-Modell" ein lukratives Abfindungsangebot als "Überbrückungsgeld", mit dem sie die Zeit bis zum Rentenbeginn finanzieren sollen. Zudem, so zitiert der Spiegel aus sparkasseninternen Rundbriefen, sollen sich die freigesetzten Mitarbeiter dennoch bei der Arbeitsagentur jobsuchend melden, um bis zu zwei Jahre zusätzlich Arbeitslosengeld zu beziehen. Das lohnt sich auch für die Geldhäuser, da sie so die Abfindungshöhe reduzieren können.

Während derartige Praktiken in der freien Wirtschaft durchaus vorkämen, sei dieser Trick bei den öffentlich-rechtlichen Geldinstituten aber "anrüchig": Sie sind laut Gesetz verpflichtet, der Allgemeinheit zu dienen. (jb/ps)