Die Tradition der Genossenschaftsbanken reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Doch verstaubt kann man sie kaum nennen. Denn im Dezember 2015 ging mit "Visualvest" der digitale Vermögensverwalter der Bankengruppe online. Damit zählt das Angebot zu den Pionieren unter den Robo-Beratern traditioneller Geldhäuser. Der Branchenprimus Deutsche Bank etwa tüftelte lange herum und verschob den Starttermin ein ums andere Mal. So ging der blaue "Robin" erst im Dezember 2017 live.

Entwickelt und betreut wird Visualvest von Union Investment, dem zentralen Fondsanbieter der Genossen. Zunächst diente der algorithmische Berater als Testballon, um Erfahrungen zu sammeln. Seit Sommer 2017 setzten dann rund 20 Volksbanken in einer Pilotphase das Werkzeug unter dem Namen "Meininvest" auf ihrer Website und in der Beratung ein. Nun, im April 2018, folgen weitere Genossenschaftsbanken, dann sind es 50 Institute. Der Robo geht in den Flächenbetrieb.

Zwischen analog und digital
Das Angebot stößt also offenbar auf Interesse. Erste Schlüsse zieht das Union-Investment-Management aber aus dem Feldeinsatz bereits. "Die Welt ist nicht allein analog oder digital. Auch die Kunden schlagen nicht ausschließlich den einen oder den anderen Weg ein", sagte Hans Joachim Reinke, Vorstandschef von Union Investment, auf der Bilanzpressekonferenz des Hauses. Der Union-Spitzenmann propagiert daher eine Hypbridlösung, bei der ein Berater die Kunden durch den digitalen Anlageprozess begleitet.


Wie die Robo-Angebote der anderen Banken aussehen, lesen Sie im neuen Heft 1/2018 von FONDS professionell. Angemeldete KLUB-Mitglieder finden den Artikel auch hier im E-Magazin.


Gänzlich minenfrei ist das Terrain ohnehin nicht. Manche Banken und Berater sehen sich durch die neue Online-Präsenz auf ihrem etablierten Terrain gefährdet. Um die Furcht vor einem Kannibalismuseffekt zu zerstreuen, bestückt die Union Visualvest daher nur mit Fremdfonds und börsengehandelten Indexfonds (ETFs), aber nicht mit hauseigenen Produkten. Im Flächenbetrieb bei den Volksbanken führt Meininvest hingegen sowohl Union– als auch Fremdfonds, aber keine ETFs.

Schutzschild aktivieren
Noch in der Pilotphase steckt das Robo-Angebot des öffentlich-rechtlichen Lagers namens "Bevestor". Der vom zentralen Wertpapierdienstleister der Sparkassen, der Dekabank, entwickelte Anlageberater soll im zweiten Halbjahr flächendeckend zum Einsatz kommen. Wie bei den Genossen auch können sich die einzelnen Sparkassen "ihren" Robo nach individuellen Wünschen maßschneidern. So kann er rein digital oder auch als Hybridmodell an den Start gehen.

Der Deka-Robo schlägt mehrere Wege ein. Zum einen führt er Kunden drei eigens geschaffenen Dachfonds zu. Zum anderen stehen seit Jahresbeginn fünf ETF-Musterportfolios zur Auswahl. Diese können Anleger noch mit Themen wie "Nachhaltigkeit", "Industrie 4.0" oder "Infrastruktur ergänzen. Hierbei kommen auch aktive Fonds zum Einsatz. Darüber hinaus können die Bevestor-Kunden einen "Anlageschutz" aktivieren. Dieser überwacht die Depots und schichtet bei Bedarf in sichere Anlagen um. Für diesen Vermögensverwaltungsdienst greift Bevestor auf die Expertise der menschlichen Deka-Strategen zurück. (ert)