Gemäß dem zweistufigen deutschen System sollen Aufsichtsräte die Risiken überwachen und den Vorstand mit Rat zur Strategie unterstützen. Eine Studie der Beratungsfirma Alvarez & Marsal legt jedoch nahe, dass die Kontrolleure häufig den Erwartungen nicht entsprechen, verschiedentlich wurden sie als "schlecht ausgestattet", "relativ nutzlos" und "alles alte Kerle" beschrieben. "Während die deutschen Aufsichtsräte erkennbar sorgfältig und aktiv ihre Aufsichtsfunktion wahrnehmen, sind die Maßnahmen, die sie zur Erfüllung ihrer beratenden Rolle ergreifen, häufig unzureichend", lautet eine Schlussfolgerung von Alvarez & Marsal.

Grundlage der Studie waren Interviews mit 20 Führungskräften in deutschen Vorständen und/oder Aufsichtsratsgremien, darunter der ehemalige Adidas-Chef Herbert Hainer, der im Kontrollrat der Allianz und der Lufthansa sitzt, sowie Guido Kerkhoff, Finanzchef von Thyssenkrupp.

Angst vor rechtlichen Risiken
Rund 40 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder verfügen über einen Hintergrund in den Bereichen Finanzen, Rechnungslegung oder Recht, ihnen fehlen aber manchmal die Fähigkeiten, das Gesamtbild zu sehen, so die Studie. Darüber hinaus haben sie zu viel Angst vor rechtlichen Risiken und scheuen aufgrund übertriebener Harmonie- und Konsenssucht vor harten Entscheidungen zurück – sie ziehen es überwiegend vor, "mit dem Strom zu schwimmen". Es bestehe die Befürchtung, den Führungskräften oder anderen Aufsichtsratsmitgliedern auf die Füße zu treten, wenn sie deren Strategie in Frage stellen.

Ein besonders ungünstiges Licht wirft die Studie auf die Aufsichtsratsvorsitzenden: "Es hat uns überrascht, wie häufig unsere Teilnehmer Aufsichtsratschefs deutscher Firmen beschrieben haben, die weit vom Idealprofil entfernt waren", heißt es in der Studie. (mb/Bloomberg)