Europas Asset Manager setzen höchst unterschiedliche Schätzwerte für die Transaktionskosten ihrer Fonds an. Das geht aus der ausführlichen Analyse von FONDS professionell ONLINE zu diesem Thema hervor, die die Redaktion in drei Teilen veröffentlicht.

Die Schätzwerte für die Transaktionskosten sind seit diesem Jahr Pflicht – der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II sei Dank. Die Zahl fließt in die Berechnung der Produktkosten ein und ist somit Teil der Kostenaufklärung für die Privatanleger. Weil es jedoch keinen Standard der Berechnung gibt, herrscht auf Seiten der Anbieter und Vertriebe große Unsicherheit. Darum nähert sich FONDS professionell ONLINE diesem Thema mit einem ersten Marktüberblick auf Basis von Morningstar-Daten (lesen Sie hierzu auch den Kommentar von Chefredakteur Bernd Mikosch: "Transaktionskosten: Das unterschätzte Risiko für Berater").

Im ersten Teil wird erläutert, wie die Transaktionskosten verteilt sind und welche Unterschiede es mit Blick auf Anlageklassen und Fondsdomizile gibt. In diesem zweiten Teil folgt ein Überblick nach Anbietern. Im dritten Teil geht es um eine nähere Analyse einiger Bestseller-Fonds.

Angaben von mehr als 120 Gesellschaften ausgewertet
Morningstar Direct weist zu mehr als 40.000 Anteilsklassen mit Vertriebszulassung in Deutschland und Österreich Transaktionskosten-Schätzungen aus. Morningstar berechnet diese Daten nicht selbst, sondern verlässt sich auf die Zulieferung der Fondsgesellschaften. FONDS professionell ONLINE hat diese Angaben nach Anbietern ausgewertet.


Die wichtigsten Ergebnisse zu mehr als 120 Investmentgesellschaften finden Sie grafisch und tabellarisch aufbereitet in der Bilderstrecke oben – einfach weiterklicken!


Dabei ging die Redaktion denkbar simpel vor: Ermittelt wurde jeweils der Durchschnittswert aller Anteilsklassen eines Anbieters, zu denen ein entsprechender Eintrag vorlag. Es fand keine Gewichtung nach Fondsvolumen statt. Außerdem wurde nicht berücksichtigt, nach welchem Verfahren die Transaktionskosten-Schätzungen ermittelt wurden. Verbreitet sind zum einen die "Arrival Price"-Methode, zum anderen das "New PRIIPs"-Verfahren (Details finden Sie hier im ersten Teil der Serie), die bei ein- und demselben Fonds zu völlig unterschiedlichen Werten führen können.

Daten sind kaum miteinander vergleichbar
Wie die Ergebnisse für einen einzelnen Fonds konkret ausfallen, hängt außerdem stark von den verwendeten Kursdaten und der detaillierten Methodik ab. Klare Vorgaben des Regulators oder ein einheitlicher Branchenstandard fehlen bislang. Deshalb folgt an dieser Stelle ein wichtiger "Disclaimer": Die von der Redaktion veröffentlichten Daten sind kaum miteinander vergleichbar.

Das hat mehrere Gründe: Der eine Anbieter gibt sich größte Mühe, zu plausiblen Ergebnissen zu kommen, der andere lagert die Berechnung als lästige Pflicht an einen Dienstleister aus, der die geforderte Kennzahl lieblos anhand der Portfolioaufstellung und der Umschlagshäufigkeit ermittelt. Bei manchen Gesellschaften verzerrt ein einzelner Fonds das Ergebnis, nur weil er viele Anteilsklassen aufweist und in der Auswertung deshalb häufiger gezählt wurde.

Der eine Asset Manager mag im Vergleich zum Gesamtmarkt besonders günstig aussehen, dabei liegt der wahre Grund für das scheinbar gute Abschneiden darin, dass er vor allem Aktienfonds mit Standardwerten anbietet, die nun mal billig zu handeln sind. Der Spezialist für Schwellenländeranleihen dagegen wirkt womöglich teuer, obwohl er in seiner Nische vielleicht besonders günstig ist.

Eine erste Momentaufnahme
Zudem ändern sich die Daten ständig. Viele Anbieter sind selbst noch nicht mit ihren Berechnungen zufrieden, weil sie wissen, wie realitätsfern sie zum Teil noch sind, und aktualisieren ihre Angaben daher häufig. Und, noch wichtiger: Es handelt sich per Definition um Schätzwerte. Wie hoch die Transaktionskosten rückblickend tatsächlich ausfallen werden, weiß heute noch niemand.

Sprich: Es gibt Dutzende Gründe, den von FONDS professionell ONLINE angestellten Pauschalvergleich anzuzweifeln. Dennoch hat sich die Redaktion dazu entschieden, ihn zu veröffentlichen. Ziel ist eine erste Momentaufnahme, ein erster Blick auf ein für die Branche völlig neues Thema – nicht mehr und nicht weniger.

In der Bilderstrecke oben finden sich zwei Rankings zu Anbietern mit auffallend niedrigen Transaktionskosten und Fondshäusern mit vergleichsweise hohen Schätzwerten. Grafisch aufbereitet wurden auch die Angaben der zehn größten europäischen Asset Manager und der Anbieter mit dem laut Branchenverband BVI größten Deutschland-Geschäft. Danach folgen Tabellen mit den Daten zu 126 Investmentgesellschaften in alphabetischer Reihenfolge.

Manche Häuser fehlen – unter anderem die Deka
Einige Häuser fehlen in der Auflistung. Das kann mehrere Gründe haben. Manche Anbieter sind hierzulande so unbekannt, dass die Redaktion auf eine Nennung verzichtete. Andere Häuser haben ihre Daten nicht an Morningstar gemeldet. Verpflichtend ist diese Meldung nicht, schließlich gibt es andere Möglichkeiten, die geforderten Angaben an die Vertriebspartner zu übermitteln – etwa über den Dienstleister WM Datenservice oder auf direktem Weg per Mail mit Excel-Anhang.

Der wohl größte Anbieter, der in der Übersicht fehlt, ist die Deka. Das Wertpapierhaus der deutschen Sparkassen versendet die entsprechenden Mifid-II-Dokumente nicht an Datendienstleister. Die Deka kann sich das erlauben, da sie dank des Exklusivvertriebs über die Sparkassen nicht auf externe Vertriebspartner angewiesen ist. Der Frankfurter Anbieter wollte seine Daten FONDS professionell ONLINE auch auf Anfrage nicht schicken. Zur Begründung meinte ein Deka-Sprecher, es sei zu früh, um wirklich aussagekräftige Daten liefern zu können. Außerdem habe sich noch kein Industriestandard etabliert.

Um die Notwendigkeit eines solchen Standards zu unterstreichen, ist es manchmal allerdings hilfreich, auch unausgereifte Daten zu veröffentlichen – was hiermit geschehen ist. (bm)