Die Nürnberger Versicherung wird keine Lebensversicherungsbestände an Dritte übertragen – im Fachjargon Run-off genannt. "Kunden und Makler wählen den Versicherer, dem sie ihre Altersvorsorge anvertrauen, mit großem Bedacht aus – in der Erwartung, dass dieser für sie die bestmögliche Rendite erwirtschaftet. Die Nürnberger Lebensversicherung steht zu ihrer Verantwortung gegenüber Kunden und Maklern. Deshalb kommt ein Run-off nicht in Frage", so  Armin Zitzmann, Vorstandsvorsitzender der Nürnberger Versicherung. Der fränkische Versicherer schließt sich damit der Allianz an, die einem solchen Schritt jüngst auch eine Absage erteilte.

Andere Versicherer wie die Ergo und die Generali sehen das anders: Die Münchener-Rück-Tochter Ergo prüft einen Verkauf der rund sechs Millionen Verträge von Ergo Leben und der ehemaligen Victoria Leben an einen professionellen Abwickler. Die Generali stellt das Neugeschäft von Generali Leben ein und sucht ebenfalls einen Käufer für ihre vier Millionen Altverträge. Und Axa überlegt zumindest, ob sie diesen Schritt vollziehen soll. Bisher hatte nur eine Handvoll kleinerer Versicherer Bestände verkauft. Doch der Druck auf die Unternehmen steigt, weil die langfristigen Garantien angesichts der niedrigen Zinsen viel Kapital binden.

BdV spricht von Erdbeben
Die Ankündigungen der Ergo und der Generali haben in der breiten Öffentlichkeit eine Diskussion über die Sicherheit der Kundenbelange ausgelöst. Der Bund der Versicherten (BdV) etwa sieht darin "ein Erdbeben in der deutschen Versicherungslandschaft" und große Gefahren für das grundsätzliche Kundenvertrauen. "Wenn ein Investor diese Bestände kauft, dann tut er das mit dem Ziel, möglichst viel Rendite zu erwirtschaften. Das geht aber nur, wenn er den Versicherten möglichst viele Überschüsse vorenthält und in die eigene Tasche steckt", erklärt Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV.

Die Belange von Maklern werden dabei in der Regel ausgeblendet. Juristen können aber beruhigen: Es gilt der Grundsatz: "Die Courtage folgt der Prämie." Mit anderen Worten: Die Provisionen fließen weiter, oder der Versicherer muss für finanziellen Ersatz sorgen. (jb)