Der Aufsichtsratschef der Bayern LB Gerd Häuser hält die Gehälter im Bankensektor für überzogen. Das sagte er im Gespräch mit dem "Handelsblatt". Seiner Ansicht nach sind Banker gemessen an der Profitabilität der Branche überbezahlt. "In der Breite bekommen sie zu viel bezahlt, in einer Branche, die seit Jahren ihre Kapitalkosten nicht mehr verdient, und das vermutlich auch in den nächsten Jahren kaum tun wird", sagte Häuser. Bankmitarbeiter mit durchschnittlichen Leistungen profitierten von den generell überzogenen Gehältern. Mittelmäßige, aber hochbezahlte Mitläufer gebe es im Bankensektor viele, sagte Häuser, der am Donnerstag als Aufsichtsratschef der Bayern LB zurücktreten wird.

Auf die Frage, warum er als verantwortlicher Manager dieses Problem nicht angegangen sei, verweist Häuser auf Barrieren im deutschen Arbeitsrecht. "In Deutschland können Sie weder Mitarbeiter einfach entlassen noch ihnen Gehalt beziehungsweise Pensionsanwartschaften ohne Weiteres kürzen, nicht einmal sogenannte Boni", so Häuser im Interview. Arbeitsgerichte würden solche Vorstöße regelmäßig wieder aufheben. Die Bayern LB habe allerdings im Jahr 2009 wegen der staatlichen Stützungsmaßnahmen einen strengen Gehaltsdeckel eingeführt.

Neueinsteiger haben Pech
Insgesamt scheint sich in der Branche allmählich etwas zu bewegen. Zumindest bei Neueinstellungen haben Banken die Gehälter ihrer Mitarbeiter mittlerweile deutlich nach unten angepasst. "Beamtenähnliche Pensionszusagen oder Übergangsgelder als Ergänzung zu hohen Gehältern, wie sie vor der Finanzkrise durchaus üblich waren, gibt es inzwischen kaum mehr", so Häuser. Wer heute als Banker anfängt, bekommt in der Regel ein deutlich niedrigeres Gehalt als noch vor einigen Jahren. "Solche Änderungen gehen in unserer Kultur allerdings nur mit fest verankerter Langsamkeit vonstatten", sagte Häuser. (fp)