Der "Strafzins" wird zum Standard, immer mehr Firmenkunden müssen Negativzinsen zahlen. Das Münchner Ifo-Institut hat eine Umfrage unter 4.000 Unternehmen aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungssektor gemacht und dabei ermittelt, dass fast jedes fünfte Unternehmen (18,9 Prozent) bereits jetzt von seiner Bank in irgendeiner Form mit Negativzinsen konfrontiert wird.

Einer Meldung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) zufolge hzaben jedoch nur acht Prozent angegeben, die Strafzinsen anstandslos akzeptiert und gezahlt zu haben. Immerhin 48,9 Prozent sagten, sie hätten zunächst mit ihrer Bank verhandelt, 30 Prozent traten die Flucht nach vorne an und schichteten kurzfristig fällige Einlagen in andere Finanzanlagen um oder zahlten Kredite zurück. 

Einige beschritten auch noch eine andere, von der Europäischen Zentralbank durchaus gewollte Alternative: Elf Prozent der Firmen haben ihre Investitionen erhöht oder vorgezogen. Christa Hainz, Mitautorin der Studie, nannte den letztgenannten Wert der FAZ zufolge "aus volkswirtschaftlicher Perspektive besonders interessant", da sich hier Auswirkungen der Negativzinsen auf die Realwirtschaft zeigten.

Nur wenig Einfluss auf Betriebsergebnis
Die Unternehmen trafen aber noch andere Entscheidungen. So haben immerhin vier Prozent trotz Negativzinsen ihre Bargeldhaltung erhöht. 36 Prozent der Unternehmen gaben dem Ifo- Institut gegenüber an, sie hätten ihr Geld zu einer Bank transfeiert, die (noch) keine Negativzinsen verlangt. Auch interessant: Die Negativzinsen haben nach Angaben der Unternehmen das Betriebsergebnis nur in acht Prozent der Fälle stark beeinflusst, weniger stark in 39 Prozent und unwesentlich oder gar nicht bei 53 Prozent der Unternehmen.

Unterschiede gibt es offenbar je nach Größe des Unternehmens und nach Region, wie die Zeitung weiter schreibt. Am wenigsten betroffen seien demnach kleine Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern (10%). Bei den mittleren Unternehmen lag dieser Wert bei 26 Prozent, und bei den großen Unternehmen mit 250 Mitarbeitern oder mehr waren 29 Prozent schon mit Negativzinsen konfrontiert. Regional überdurchschnittlich stark betroffen sind der Umfrage zufolge Unternehmen aus Sachsen (29,8%), Bayern (23%), Thüringen (21,3%), Hamburg (20,8%), Nordrhein-Westfalen (19,6%) und Mecklenburg-Vorpommern (19,2%).

Übrigens: Auch für Privatkunden wird die Luft zunehmend dünner, wie ein Blick auf die Internetseite der FMH Finanzberatung zeigt: Das Vergleichsportal für Zinsprodukte listet derzeit nur noch zwölf Banken auf, die ein kostenloses Konto anbieten. Bei den Gratis-Anbietern handelt es sich ausnahmslos um Direktbanken.(fp/ps)