Die New Yorker Investmentbank Moelis & Co. befeuert erneut die Debatte um die harten Arbeitsbedingungen in der Finanzbranche, schreibt das "Handelsblatt". Ein Mitarbeiter der Bank hatte im Branchenforum Wall Street Oasis die E-Mail eines ranghohen Personalers von Moelis veröffentlicht, der sich beschwerte, dass er nach Mitternacht nur elf Analysten an ihren Plätzen angetroffen habe. 

Wörtlich heißt es in der um zwei Uhr nachts verschickten Mail: "Ich weiß, dass ihr ALLE sehr hart arbeitet und mit mehreren Projekten sehr beschäftigt seid." Es kämen allerdings ständig neue Mitarbeiter ins Haus. Deswegen sei die einzige Möglichkeit für ihn, zwischen den Mitarbeitern zu unterscheiden, zu sehen, "wer in den frühen Morgenstunden im Büro ist". 

Moelis-Präsident ermahnt Führungskräfte
Der Inhalt der Mail, über die unter anderem Bloomberg und die "Financial Times" berichtete, zog so große Kreise, dass sich Moelis-Präsident Jeff Raich zu einer Reaktion bemüßigt fühlte. Laut Bloomberg ermahnte er die Führungskräfte der Bank, die aktuell massiv Fachkräfte einstellt, junge Mitarbeiter gut zu behandeln.

In der Vergangenheit scheint dies nicht immer der Fall gewesen zu sein. Im Mai 2015 hatte sich ein junger Angestellter des Instituts das Leben genommen, nachdem er extrem viel gearbeitet hatte. In seinem Blut wurden Spuren von Kokain und anderen Drogen gefunden, berichtet das "Handelsblatt". Auch anderweitig war Moelis bereits negativ aufgefallen: In einer Erhebung des Karriereportals "Efinancialcareers" vom Januar 2018 belegten Moelis-Mitarbeiter mit einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 83 (!) Stunden den absoluten Spitzenplatz. (fp/ps)