Ein neuer Spieler will in Deutschland den Markt der unabhängigen Vermögensverwalter erobern: Lunis Vermögensmanagement. Die Co-Vorstandschefs Andreas Brandt und Christoph Lieber wollen bis Jahresende eine Milliarde Euro Kundengeld verwalten. Dazu möchten sie sowohl organisch als auch durch Übernahmen wachsen (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Hinter dem Neuling steckt die amerikanische Private-Equity-Gesellschaft J.C. Flowers. Der Investor hält 50,1 Prozent der Anteile. Der ehemalige Goldman-Sachs-Bankers Christopher Flowers ist in Deutschland mit seinen Investments in die Krisen-Institute HSH Nordbank und Hypo Real Estate (HRE) bekannt geworden.

Die übrigen Anteile halten die Mitgründer Brandt und Lieber. Brandt war bis vor kurzem Generalbevollmächtigter der Bank J. Safra Sarasin in Frankfurt. Das Schweizer Traditionshaus wickelt derzeit sein Privatbank-Geschäft in Deutschland ab. Ein Großteil der Startkunden wird daher von Sarasin stammen. Lieber wiederum war seit 2016 Chef der andorranischen Vall Banc. Mit ihm sprach FONDS professionell ONLINE über die ehrgeizigen Pläne.


Herr Lieber, wie beurteilen Sie die Lage unabhängiger Vermögensverwalter?

Christoph Lieber: Der deutsche Wealth-Management-Markt ist extrem zersplittert. Schon der zweitgrößte Anbieter weist ein geringeres Volumen an Kundengeld auf als so manche Privatbank in der Schweiz. Bei den unabhängigen Vermögensverwaltern ist das noch drastischer. Es gibt zwei große, DJE Kapital und Flossbach von Storch – danach wird es sehr kleinteilig.

Welche Perspektiven hat die Branche da?

Lieber: Deutschland hat Vermögensverwalter im europäischen Vergleich besonders hart reguliert. Dementsprechend wird es auch schwieriger für kleine Einheiten, überlebensfähig zu bleiben. Die Regulierung nimmt weiter zu, der Druck erhöht sich. Mich wundert die hohe Toleranzschwelle kleiner Anbieter, die sich trotz aller Hürden weiter durchwursteln.

Kommt noch von anderen Seiten Druck als von der Regulierung?

Lieber: Ja, nun kommen noch die Robo-Berater ins Spiel. Nur wenige unabhängige Vermögensverwalter haben die Möglichkeit, dies ebenfalls anzubieten. Und wenn sie Standardlösungen bieten, stellt sich den Kunden die Frage, warum sie dann noch zu einem unabhängigen Vermögensverwalter gehen sollten.

Das klingt danach, als stünde eine Konsolidierung an.

Lieber: Viele unabhängige Vermögensverwalter wissen vor diesem Hintergrund, dass sie handeln müssen. Doch die Hemmschwelle liegt sehr hoch. Die Gespräche bleiben meist sehr vage. Denn die Angst ist groß, dass Kunden abwandern, sollten die Fusionsverhandlungen bekannt werden. Der Dialog ist daher extrem mühsam, selten offen und meist nicht zielführend.

Mit Lunis wollen Sie in den deutschen Markt einsteigen. Als Anteilseigner steht die Private-Equity-Gesellschaft J.C. Flowers im Hintergrund. Hierzulande ist das Haus durch größere Investitionen wie in die HRE und HSH Nordbank bekannt. Ist der kleinteilige Vermögensverwaltungsmarkt so interessant für Flowers?

Lieber: Bislang waren die Investitionen von J.C. Flowers eher bilanzgetrieben. Im Wealth Management läuft das Kundenvermögen ja aber außerhalb der Bilanz. Mit der Vall Banc hat Flowers vielleicht Gefallen am Wealth Management gefunden. Bislang war dieser Bereich von einer Disruption verschont geblieben, abgesehen von der Regulierung. Die Margen sinken zwar, aber sie kommen von einem sehr hohen Niveau.

Und für Lunis sehen Sie da eine Marktlücke?

Lieber: Jetzt haben disruptive Entwicklungen auch das Wealth Management erreicht. Den Banken fällt da wenig ein. Sie setzten auf Standardisierung. Aber wenn man visionäre Ideen hat, dann stehen die Chancen gut, dass man eine tragende Rolle bei dem Wandel spielt. Der Plan für Lunis ist natürlich, dass die Summe der Teile einen höheren Wert hat als die einzelnen Teile an sich. Unternehmen wie St. Jame's Place in Großbritannien sind da durchaus ein Vorbild für uns.

Vielen Dank für das Gespräch. (ert)


In der kürzlich erschienenen Ausgabe 2/2017 von FONDS professionell verraten Vermögensverwalter Details über Fusionsverhandlungen und berichten, wie groß der Druck zu einer Konsolidierung in der Branche ist. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen.