Die Umsetzung der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II Anfang 2018 bietet unabhängigen Vermögensverwaltern große Chancen. Davon ist Markus Steinbeis überzeugt, der gemeinsam mit Gerd Häcker zu Jahresbeginn den Münchner Finanzportfolioverwalter Steinbeis & Häcker gegründet hat (FONDS professionell ONLINE berichtete). Zuvor hatten beide bei Huber, Reuss & Kollegen gearbeitet, einem der führenden unabhängigen Vermögensverwalter Deutschlands.

"Mifid II wird mit Blick auf die Kosten eine Transparenz in den Markt bringen, die uns sehr weiterhelfen dürfte", sagt Steinbeis im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE in München. "Viele Banken stellen ihren Kunden für die Vermögensverwaltung rund anderthalb Prozent pro Jahr in Rechnung. Rückvergütungen aus Fonds kommen noch dazu." Künftig sind solche Provisionen in der Vermögensverwaltung nicht mehr erlaubt, darum werden viele Anbieter die Gebühren anheben, so Steinbeis‘ Erwartung. Zudem müssen alle Kosten rigoros offengelegt werden, etwa für Transaktionen. "Dann wird sich zeigen, dass wir unsere Dienstleistung unter dem Strich für weniger als die Hälfte dessen anbieten können, was viele Anleger heute bei ihrer Bank zahlen." Anders als eine Bank müsse sein Haus dank schlanker Strukturen keinen teuren Konzernapparat mitfinanzieren.

Einen anderen Aspekt der Mifid II wertet Steinbeis dagegen skeptisch: die neuen Vorgaben mit Blick auf Kapitalmarkt-Research. Bislang ist es so, dass Broker ihre Studien meist kostenlos verschicken – in der Hoffnung, für gutes Research in Form lukrativer Handelsaufträge belohnt zu werden. Solche Koppelgeschäfte sind bald verboten, weshalb die Branche derzeit nach Lösungen sucht, wie die Investmentstudien künftig vergütet werden. "Ich rechne fest damit, dass das Angebot an Research deutlich abnehmen wird", sagt Steinbeis. "Das bedeutet, dass die Heterogenität der Meinungen schwindet, was für die Märkte durchaus negative Auswirkungen haben kann."

"Wir streben keine rasante Expansion an"
Bei Steinbeis & Häcker arbeiten derzeit vier Mitarbeiter – die beiden Gründer, ein weiterer Vermögensverwalter und eine Assistenz. Im Januar soll ein fünfter Kollege an Bord kommen. Dann möchte das Start-up umziehen, raus aus der Bürogemeinschaft nahe des Münchener Hauptbahnhofs in repräsentativere Räumlichkeiten.

Zur Zahl der Kunden und zum verwalteten Vermögen möchte sich Steinbeis noch nicht äußern. "Das Unternehmen wächst im Rahmen unserer Erwartungen. Wichtig ist, dass wir keine rasante Expansion anstreben, sondern uns behutsam Schritt für Schritt vergrößern wollen." Bei der derzeit schlanken Aufstellung des Teams sei es möglich, das Unternehmen ab einem verwalteten Vermögen von rund 70 Millionen Euro profitabel zu führen.

Erster Fonds aufgelegt
Steinbeis & Häcker arbeitet vor allem für Stiftungen, öffentlich-rechtliche Einrichtungen und Unternehmen, aber auch für Privatkunden. Vor zwei Monaten hat der Vermögensverwalter bei Ampega seinen ersten Fonds aufgelegt, den defensiven Mischfonds S&H Income and Opportunities. Ziel sei es, den maximalen Verlust auf fünf Prozent zu begrenzen, so Steinbeis.

Eine ähnliche Strategie hatte Häcker schon bei seinem alten Arbeitgeber im Arbor Invest Vermögensverwaltungsfonds umgesetzt, den er seit Anfang 2009 verantwortete. "Wir möchten den neuen Fonds zum jetzigen Zeitpunkt weder groß bewerben noch breit vertreiben", betont Steinbeis. "Er soll vielmehr dabei helfen, auch weniger vermögenden Kunden Zugang zu unserer Anlagestrategie zu geben."

Der "kleinste" Individualkunde hat 150.000 Euro investiert
Steinbeis möchte Klienten, die kein Millionenvermögen mitbringen, nicht die Tür weisen. "Unsere Überzeugung ist, dass ein Kunde mit 200.000 Euro eine Anlagestrategie gleicher Qualität verdient hat wie ein Mandant mit fünf Millionen Euro", sagt er. "Solange es uns möglich ist, ein solches Angebot zu unterbreiten, werden wir das auch tun."

Sein bislang "kleinster" Individualkunde habe 150.000 Euro investiert. "Es kann aber sein, dass dieser Kunde ein Millionenvermögen im Rücken hat und uns nur mit einem geringeren Betrag ausprobieren möchte", so Steinbeis. "Wichtiger als das verwaltete Vermögen ist uns ohnehin, dass der Mandant unsere wertorientierte Anlagephilosophie teilt. Andernfalls ist es besser für beide Seiten, von einer Zusammenarbeit abzusehen." (bm)