Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat gute Nachrichten. Die Solvenzquoten (SCR-Quoten) der deutschen Versicherer sind zum Jahresende 2017 gestiegen. Für das vierte Quartal hat der Verband eine durchschnittliche Ziffer von 380 Prozent errechnet (sieh Grafik). Bei einem Stressest der Finanzaufsicht Bafin, der vor rund zehn Monaten gemacht wurde, kam die deutsche Versicherungsbranche auf eine SCR-Ziffer von 340 Prozent. Zugleich warnen die GDV-Oberen, dass andiskutierte Regeländerungen die Solvenzquoten der Unternehmen erheblich beeinträchtigen könnten. 

Die SCR-Quote gilt als einer der wichtigsten Gradmesser für die finanzielle Leistungskraft eines Versicherers, was gerade für die bei Deutschen so beliebten Lebenspolicen mit Garantien wichtig ist. Die Zahl beschreibt das Verhältnis von Eigenmitteln des Versicherers zur "Solvenzkapitalanforderung", die sich aus dem Risikoprofil der Anlagen der Gesellschaft ergeben: Je mehr risikoreiche Assets ein Versicherer er abdecken muss und je mehr Risiken – etwa in Form von kranken Personen, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung bei ihm haben – zu decken sind, desto höhere Eigenmittel sind vorzuhalten.

Eine SCR-Quote von 100 Prozent gilt hier als Untergrenze: Diese bedeutet vereinfacht ausgedrückt, dass eine Gesellschaft in der Lage ist, alle Verluste innerhalb eines Jahres auszugleichen. Allerdings gibt es auch jede Menge Kritik an der SCR-Ziffer: Nach Meinung einiger Experten eignet sie sich nur bedingt als Stabilitätsmaß.

Über dem europäischen Durchschnitt
Der GDV schreibt weiter, dass die Solvenzquote der deutschen Versicherungswirtschaft im europäischen Vergleich weit überdurchschnittlich sei. Das zeigten die Daten der EU-Versicherungsaufsicht Eiopa. Die Bedeckungsquote belaufe sich für Deutschland auf 331 gegenüber 229 Prozent im europäischen Durchschnitt. Diese Quote sei aber unter Berücksichtigung von Übergangsmaßnahmen zustande gekommen. Auch ohne deren Berücksichtigung liege die Bedeckungsquote in Deutschland mit 271 Prozent über dem europäischen Durchschnittswert von 184 Prozent.

Der Verband warnt aber vor Regeländerungen, die die Quoten beeinträchtigen könnten. Aus Sicht der Branche besteht die Gefahr, dass veränderte, ökonomisch schwer begründbare Modell- und Risikoannahmen die Eigenmittelanforderungen massiv erhöhen. "Die wesentlichen Punkte sind die mögliche Änderung des Zinsrisikos, die Diskussion über den Extrapolationsstart in der Zinsstrukturkurve sowie die (bereits von der Eiopa angewendete) Absenkung der langfristigen Zinsannahme (Ultimate Forward Rate, UFR)", heißt es im schönsten Aktuars-Deutsch in der Mitteilung. (jb)