Die Unionsfraktion im Bundestag möchte sich den Verkauf unrentabler Versicherungsbestände an andere Unternehmen vorknöpfen – im Fachjargon als externer "Run-off" bezeichnet.  "Das werden wir in dieser Wahlperiode zum Regulierungsthema machen", kündigte Vize-Fraktionschef Ralph Brinkhaus laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters an. Wer einen Vertrag bei einem Versicherer abgeschlossen habe, verlasse sich – gerade bei Lebensversicherungen – auf eine teils lebenslange Bindung. Daher gehe es hier um das Grundvertrauen der Verbraucher, so Reuters.

Brinkhaus reagierte damit auf die Run-off-Pläne mehrerer Unternehmen. Ein halbes Dutzend kleinerer Bestände hat bereits den Besitzer gewechselt, aber auch Branchenriesen wie Generali Deutschland, Axa und Ergo tragen sich mit solchen Plänen – letztere wird Ende des Monats entscheiden, ob sie die Vorhaben umsetzt oder nicht. "Wir stellen leider fest, dass verstärkt Run-offs diskutiert werden: Was etwa im Bereich Lebensversicherungen nicht mehr genügend Rendite bringt, soll abgestoßen werden", beschrieb Brinkhaus die Entwicklung.

"Wir werden uns sehr genau anschauen, welche Nachteile das möglicherweise für die Verbraucherinnen und Verbraucher mit sich bringt", kündigte er an. Das sei auch ein Fall für die Finanzaufsicht Bafin. "Wir gehen davon aus, dass die Bafin sich die Fälle sehr genau anschaut", sagte der CDU-Politiker. "Auch wenn es nur einzelne Versicherer sind, schadet dieses Verhalten der Branche insgesamt." Fast nirgends sei das Vertrauen der Verbraucher so wichtig wie beim Abschluss einer Lebensversicherung. Genau deshalb kritisieren andere Versicherer wie die Bayerische die Pläne ihrer Mitbewerber: Sie befürchten einen grundlegenden Imageschaden für die Branche. (jb)