Fast ein Dreivierteljahr ist es her, dass Amundi die Übernahme von Pioneer Investments abschloss. Seit Anfang Juli 2017 ist die frühere Unicredit-Tochter Teil des Pariser Asset Managers. Das Geschäft in Deutschland leitet Evi C. Vogl, die frühere Länderchefin von Pioneer. FONDS professionell sprach mit ihr über die BVI-Investmentstatistik für das Jahr 2017, die wichtigsten Kundengruppen und aktuelle Produkttrends.


Frau Vogl, im Herbst hatten Sie im Interview mit FONDS professionell von hohen Mittelzuflüssen für Amundi in Deutschland gesprochen. Die Statistik des Branchenverbands BVI weist für das vergangene Jahr jedoch geringe Abflüsse von rund 69 Millionen Euro aus Wertpapierpublikumsfonds aus. Hatte sich der Wind zum Jahresende gedreht?

Evi C. Vogl: Nein. Die BVI-Zahlen für 2017 zeigen nur einen kleinen Teil unseres Geschäfts. In Summe konnten wir bei Kunden aus Deutschland im vergangenen Jahr unter dem Strich 7,3 Milliarden Euro einwerben – deutlich mehr als erwartet. Es gibt drei Möglichkeiten, auf unser Deutschlandgeschäft zu blicken. Der für uns relevanteste Blick gilt dem Vermögen, das Kunden aus Deutschland Amundi anvertraut haben. Das waren zum Ende des vergangenen Jahres 43,9 Milliarden Euro. Betrachtet man die Summe, die unsere Portfoliomanager in München für Kunden aus der ganzen Welt verantworten, kommt man auf rund 26 Milliarden Euro. Die dritte Möglichkeit ist, nur das Vermögen in deutschen Fonds heranzuziehen – das sind 16,5 Milliarden Euro. Doch diese Größe spiegelt nicht wirklich unser Deutschlandgeschäft wider.

In die BVI-Statistik für 2017 flossen nur die Zahlen der früheren Pioneer Investments ein. Werden dort eines Tages auch die Gesamtzahlen für Amundi Deutschland zu sehen sein?

Vogl: Ja, das wird schon in der Statistik für Januar der Fall sein. Diese spiegeln unser Gesamtgeschäft dann deutlich besser wider. Abgebildet wird das Vermögen, das wir bei Kunden aus Deutschland eingeworben haben – egal ob das Geld in Luxemburger, deutsche, französische oder österreichische Fonds unserer Gruppe fließt. Allerdings wird es immer ein gewisses Delta zwischen den BVI-Zahlen und unseren Unternehmenszahlen geben: Da wir die Zuflüsse in ETFs nicht auf Länderebene im Detail messen, melden wir diese auch nicht an den BVI.

Wie teilen sich die 7,3 Milliarden Euro Mittelzuflüsse 2017 mit Blick auf die Kundengruppen auf?

Vogl: Etwa fünf Milliarden sind in Fonds für institutionelle Kunden geflossen, darunter viele Cash-Produkte für Unternehmen, die ihre liquiden Mittel anlegen möchten. Auf das Retail-Segment, für uns "Netzwerk" und "Third Party"-Vertrieb, entfallen 2,3 Milliarden Euro. Diese sind primär mit aktiv verwalteten Fonds und ETFs erzielt worden.

Wie viel davon stammt aus der Hypovereinsbank?

Vogl: Dieses Geschäft trennen wir nicht mehr von unserem restlichen Drittvertrieb. Zu Pioneer-Zeiten war die HVB ein Schwesterunternehmen, doch inzwischen ist die Bank ein externer Kunde – wenn auch ein sehr wichtiger.

Wenn Sie das vergangene Jahr Revue passieren lassen: Welche aktiv gemanagten Fonds waren gefragt? Und wo gab es Mittelabflüsse?

Vogl: Abflüsse hatten wir vor allem in früheren Pioneer-Fonds mit europäischen Anleihen. Diese Anlageklasse stand bei Investoren im vergangenen Jahr generell nicht hoch im Kurs, außerdem war die Performance unserer Fonds vergleichsweise schwach. Die Abflüsse aus diesen Fonds erklären auch das kleine Minus in der BVI-Statistik für das Jahr 2017. Dagegen sind Multi-Asset-Produkte immer noch gefragt, insbesondere im Retail-Geschäft. Auch unsere "Target Income"-Familie erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Aus der Amundi-Welt kommen beispielsweise die thematischen Investments gut an, die unsere Konzerntochter CPR Asset Management anbietet, etwa der CPR Global Disruptive Opportunities und der CPR Silver Age. Mit diesen Fonds lassen sich gezielt Themen ins Depot holen, die auch im Alltag der Kunden eine Rolle spielen. Ich bin gespannt, auf welche Resonanz das neueste Produkt stoßen wird, der CPR Food for Generations.

In unserem Gespräch im Herbst hatten Sie angekündigt, dass Amundi eine größere Kampagne starten wird, um die hierzulande noch wenig bekannte Marke zu stärken. Werden wir bald Amundi-Spots vor den 20-Uhr-Nachrichten sehen?

Vogl: Nein, eine solche TV-Werbung ist nicht geplant und wäre auch nicht zielführend. Wir maßen uns nicht an, Amundi zur bekanntesten Retail-Fondsmarke Deutschlands machen zu wollen. Ziel ist es vor allem, die Marke bei unseren Vertriebspartner zu verankern. Deshalb sind wir allein in diesem Jahr auf über 20 großen Veranstaltungen in Deutschland präsent. In die breite Öffentlichkeit gehen wir nur punktuell. Ab Mitte April werden beispielsweise Plakate von uns in der Münchner Innenstadt zu sehen sein. Solche Kampagnen sprechen wir eng mit unseren Vertriebspartnern ab – in diesem Fall mit der HVB. Wir werden sie aber nicht flächendeckend starten.

Vielen Dank für das Gespräch. (bm)