Viele Unternehmen haben mittlerweile verstanden, dass lange Arbeitszeiten zulasten der Mitarbeiter-Gesundheit gehen und nicht unbedingt zu besseren Geschäftsergebnissen führen. Bei vielen Investmentbankern und ihren Arbeitgebern sind entsprechende Initiativen zur Verkürzung der Arbeitszeiten aber schlicht verpufft. Dänemark, wo man ab 17:00 Uhr keinen Banker mehr im Büro findet, hat es nicht geschafft, zum Vorreiter zu werden.

Im Gegenteil: Offenbar gehört es unter Investmentbankern immer noch zum guten Ton, eine 70-Stunden-Woche vorweisen zu können. Das berichtet das Finanz-Karriereportal "Efinancialcareers" unter Berufung auf eine Umfrage des Online-Forums Wall Street Oasis, das tausende seiner Nutzer aus der Finanzbranche zu ihren Arbeitsstunden befragt hat. Die daraus entstandene, nachstehende Tabelle spiegele die neuen Realitäten wider, so der Bericht von Efinancialcareers.

Demnach scheinen die reinen Corporate-Finance-Boutiquen die längsten Arbeitszeiten aufzuweisen: Mehr als 80 Stunden sind weiterhin die Norm. Besonders berüchtigt für lange Arbeitszeiten sei Moelis & Co, was die Zahlen bestätigen. Die Angestellten geben an, 2017 durchschnittlich beinahe 83 Stunden die Woche gearbeitet zu haben. Übervolle Stundenzettel können auch die Beschäftigten bei bei Evercore, Perella Weinberg und Lazard vorweisen.

Commerzbanker haben's gut
Deutlich besser sieht es bei den europäischen Banken wie BNP Paribas aus. Bei der Commerzbank sollen es 2017 gar nur 50,7 Stunden gewesen sein, bei der Crédit Agricole 61 und bei der teilverstaatlichten Royal Bank of Scotland 59,3 Stunden.

Doch für die größte Überraschung sorgen die großen US-Banken. Gemäß den Angaben von Wall Street Oasis liegen die Arbeitszeiten bei JP Morgan, Goldman Sachs und der Bank of America bei nur 69 bis 73 Stunden. Ebenso erstaunlich ist, dass die Arbeitszeiten bei den beiden Schweizer Großbanken und der Deutschen Bank höher ausfallen.

Daher stellt sich die Frage, warum viele Investmentbanker sich solch lange Arbeitszeiten antun? Die Antwort: Das Gehalt – sechs- oder gar siebenstellige Summen sind immer noch die Regel und nicht die Ausnahme. Efinancialcareers weist aber daraufhin, dass Mitarbeiter großer europäischer Investmentbanken vor diesem Hintergrund eher einen schlechten "Deal" für sich ausgehandelt haben: Die Institute stehen im Ruf, weniger als ihre US-Mitbewerber zu zahlen. (ps/jb)