Die Automatisierung des Anteilscheingeschäftes in Deutschland, der Back-Office-Prozesse für den Kauf und Verkauf von Fondsanteilen (lesen Sie dazu auch den Artikel "Halbautomatisch" in der Heftausgabe 2/2016), scheint zu stagnieren. So wurden 2016 in Deutschland über die Annahmestellen für Fondsorder (englisch: Transfer Agents oder TA) geschätzt 85 Prozent aller Aufträge für Portfolios mit einer deutschen ISIN-Nummer weitgehend automatisch abgewickelt – davon wiederum 60 Prozent auf Basis des international anerkannten Datenstandards ISO 20022 sowie mithilfe der sicheren Datenleitungen von Swift.

Die übrigen 15 Prozent der Orders werden vollständig manuell durchgeführt. Im Vorjahr 2015 gab es eine geschätzte Automatisierungs-Quote von 86 Prozent, wobei aber nur 59 Prozent der Orders via ISO 20022 und SWIFT abgewickelt wurden.

Das ist das Ergebnis einer Analyse der Transaktionsdaten von elf deutschen TAs, die der europäischen Fondsdachverband EFAMA und das Technologieunternehmen Swift im Rahmen ihres jährlichen Reports über die grenzüberschreitenden Orderprozesse in den beiden Fondszentren Luxemburg und Irland veröffentlichen. Die elf deutschen TAs haben eine Marktabdeckung von rund 60 Prozent.

Branchenvereinigung plädiert für einheitlichen Standard
Damit ist die Branche in Deutschland weiterhin von den Zielen entfernt, die sich die Dessug Arbeitsgruppe Investmentfonds, dem Branchenforum für die Standardisierung des Anteilsscheingeschäfts, für die Automatisierung der Kauf- und Verkaufsprozesse in Deutschland gesetzt hat. Die Gruppe fordert, dass die gesamte Branche Swift und ISO 20022 als einheitliche Basis für den Datenaustausch nutzt.

Ihr Argument: Wenn auf Fax und E-Mail anstatt Swift zurückgegriffen werde, könne es zu einem Bruch der Abwicklungskette kommen – und damit zu Fehlern. Zudem sei die mangelhafte Standardisierung ebenfalls eine latente Fehlerquelle. "Automatisierung erhöht sowohl die Geschwindigkeit der Abwicklung als auch deren Transparenz", sagt Eduard Schroeder, erster Vorsitzender der Dessug. Tauche doch einmal ein Problem auf, helfe ein digitaler Fehlerbericht bei der Lösung.

In Luxemburg sieht es besser aus. Im Nachbarland wurden im vierten Quartal 2016 laut des erwähnten Reports 68,3 Prozent der Orders via ISO 20022 durchgeführt. In Irland wurden simultan nur magere 27,8 Prozent der Orders nach ISO 20022 abgewickelt. (jb)