Wenn Kunden mit der Leistung ihres bankgestützen Anlageberaters unzufrieden sind und dies schriftlich darlegen, muss der Arbeitgeber dies der Finanzaufsicht Bafin unverzüglich melden. In der Praxis wird das sogenannte Beschwerderegister allerdings immer seltener genutzt, wie Daten der Bafin belegen. Demnach gab es im vergangenen Jahr 4.353 gemeldete Beschwerden. Im Jahr 2013 waren es noch 9.720 Meldungen. 

Banken werten den Rückgang als klaren Beleg für die gestigene Beratungsqualität ihrer Mitarbeiter – und machen aus dem Beschwerde- ein Zufriedenheitsregister. Doch gegen diese eigenwillige Interpretation regt sich zunehmend Widerstand.

Quelle: Bafin

Eigentlich sollte das Beschwerderegister als zentrale Anlaufstelle dazu beitragen, die Bankberatung nach der Finanzkrise zu verbessern und zu disziplinieren. In der Finanzkrise verloren auch Kleinanleger viel Geld, weil ihnen Produkte angedreht wurden, die sie nicht verstanden und deren Risiken sie nicht einschätzen konnten. In der Folge versuchte die Bundesregierung, Bankberater besser zu kontrollieren, unter anderem mithilfe des Beschwerderegisters. 

Kaum Durchgriffsmöglichkeiten
Kurz nach seiner Einführung im Jahr 2012 wurde es von unzufriedenen Anlegern auch dankend angenommen. Seither jedoch sinkt die Zahl der gemeldeten Beschwerden kontinuierlich: Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres gab es laut einem Bericht des "Handelsblatts" 2.627 Meldungen.  

Seit Einführung des Registers bei der Bafin wurden insgesamt 34.925 Beschwerden gemeldet, ist einem Bericht des Bundesfinanzministeriums zu entnehmen, aus dem die Düsseldorfer Wirtschaftszeitung zitiert. Die allermeisten waren offenbar nicht gravierend genug, um Sanktionsmaßnahmen zu ergreifen. Beleg: Es habe bisher überhaupt erst sechs Verwarnungen durch die Bafin gegeben, die sich gegen einen Wertpapierdienstleister richteten. "Darüber hinaus wurden zwei Anlageberater und sechs Vertriebsbeauftragte aufgrund von Verstößen verwarnt", heißt es in dem Papier aus der Behörde von Olaf Scholz. Auch die Höhe der insgesamt bisher verhängten Geldbußen nimmt sich mit 138 .000 Euro bescheiden aus.

Von der theoretischen Möglichkeit eines vorübergehenden Berufsverbots gegenüber sündigen Beratern wurde noch nie Gebrauch gemacht: "Untersagungen der Tätigkeit von Mitarbeitern waren bisher nicht notwendig“, heißt es in dem Schreiben. Begründung: Viele Institute würden die angeschwärzten Mitarbeiter aus freien Stücken mit anderen Tätigkeiten betrauen.

Kostspielige Gängelei
Im Gegenzug zur sinkenden Meldungszahl steigt die Zahl der Register-Kritiker. Der grüne Finanzexperte Gerhard Schick etwa hält die Bafin-Zahlen für nicht aussagekräftig  und fordert stattdessen regelmäßige anonyme Testkäufe bei Banken. Auch aus der FDP wird Kritik laut: Dem "Handelsblatt" zufolge meint der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler, mit dem Beschwerderegister werde "mit Kanonen auf Spatzen geschossen".

Schäfflers Argumentation: Es gebe keinen Informationsgewinn der Bafin, aber enorme Bürokratiekosten für die Banken. Generell hält Schäffler das Register für obsolet: "Das funktionierende Ombudswesen der Banken und die Bafin selbst reichen als Beschwerdeinstitutionen eigentlich aus", so seine Schlussfolgerung. (fp/ps)