Die Riester-Rente steht schon seit langer Zeit in der Kritik. Zu teuer und damit nicht renditeträchtig genug ist sie in den Augen vieler. Die Befürworter halten dagegen, dass sie immerhin 16 Millionen Menschen ein zusätzliches Einkommen neben der gesetzlichen Rente böten. Der deutsche Fondsverband BVI hat nun einen Vorschlag zur Reform der staatlich geförderten Zusatzrente vorgelegt, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) meldet. 

Der Verband reagiere damit auf die Tatsache, dass es im politischen Berlin zwei Lager gibt, die unterschiedliche Vorstellungen zur Zukunft der Rente haben. Das eine möchte sie modifizieren, das andere plädiert letztlich für ihre Abschaffung und die Einführung eines staatlichen Rentenfonds nach schwedischem Vorbild. Hierzu hatte die schwarz-grüne hessische Landesregierung im Bundesrat bereits Vorschläge eingebracht

Konkurrenz vom Staat
Diese Pläne aus Hessen gefallen Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI, überhaupt nicht – er fürchtete die staatliche Konkurrenz für private Altersvorsorgeprodukte. "Es ist bedenklich, dass der Vorschlag für eine Verstaatlichung der Altersvorsorge aus der CDU kommt, noch dazu der hessischen", sagte er der FAZ. In dem Modell aus Hessen entstünden dem Staat kaum Marketing- und Vertriebskosten, während sie für die privaten immens wären. "Wie will man gegen ein Produkt bestehen, auf dem der Bundesadler draufsteht?", fragt er rhetorisch in der Zeitung. "Das verzerrt den Wettbewerb erheblich."

Der BVI macht daher in Anlehnung eines Thesenpapiers von Union Investment einen alternativen Vorschlag: Die Erhöhung des Förderrahmens und die Einbeziehung aller einkommensteuerpflichtigen Personen, ohne Ausnahme, in die Förderung. Zudem sollten ein Treuebonus und ein Berufseinsteigerbonus kommen.

Zum anderen wolle der BVI laut FAZ ein Kernelement der bisherigen Regelung kippen: Die Bruttobeitragsgarantie, damit Kunden überhaupt noch eine Chance auf Rendite haben. "Eine positive Wertentwicklung und eine Garantie sind bei null Prozent Zinsen ein unauflöslicher Gegensatz", sagt Richter, und ergänzt: "Wenn man 100 Prozent Kapital zu einem bestimmten Zeitpunkt garantieren muss, kann es bei den jetzigen Zinsen kaum in Aktien angelegt sein".

Nur noch langsames Wachstum bei Rister-Fondssparplänen
Eine Modifizierung der Riester-Rente scheint dringend nötig, wenn man sich die jüngsten Statistiken des Bundesarbeitsministeriums zum Riester-Bestand anschaut. Dieser schrumpft in der Summe: Existierten Ende 2017 noch 16,593 Millionen Verträge, so waren es Ende Juni nur noch 16,57 Millionen – exakt so viele wie Ende 2016. Der Rückgang ist zwar in erster Linie erneut auf den Schwund bei Versicherungs- und Bankprodukten zurückzuführen, deren Zahl um 14.000 auf 10,829 Millionen (Versicherungen) und 22.000 auf 693.000 (Banken) schrumpfte. 

Aber auch Riester-Fondssparpläne, die die in den vergangenen Jahren immer gut zulegten, "lahmten" im zweiten Quartal: Das Ministerium zählt nur 1.000 Verträge mehr, sodass es in Summe 3,253 Millionen sind. Nur die Wohn-Riester-Pläne boomen weiter: 21.000 neue wurden abgeschlossen, so dass ihre Zahl bei 1,795 Millionen liegt. (jb)