Hans-Walter Peters, Präsident des Bankenverbands und Chef der Privatbank Berenberg, hat scharfe Kritik an der EU-Finanzmarktrichtlinie geübt. "Mifid II muss schnellstmöglich überprüft und dann auch angepasst werden", sagte er im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS).

Mifid II sei ein "Monsterwerk an Regulierung", unter anderem mit Blick auf die Dokumentations- und Protokollierungspflichten. In der Anlageberatung sei schon heute ein Beratungsprotokoll Pflicht. "Künftig reicht das nicht mehr. Wir müssen persönliche Gespräche dokumentieren und zusätzlich jedes Telefonat, das zu einem Wertpapiergeschäft führen könnte, aufzeichnen", mokiert sich Peters. Erst dann dürfe ein Kunde ein Wertpapier kaufen. Dabei hätten sich einer Umfrage aus dem vergangenen Jahr zufolge 87 Prozent der Kunden zufrieden mit ihrer Bank und ihrem Berater geäußert.

"Ein Anschlag auf das Vertrauensverhältnis zwischen Berater und Kunde"
Die Aufnahmen der telefonischen Beratungsgespräche "müssen wir mindestens fünf Jahre lang aufbewahren und der Finanzaufsicht auf Wunsch binnen kürzester Zeit zur Verfügung stellen. Das ist ein Anschlag auf das Vertrauensverhältnis zwischen Bankberater und Kunde", so Peters im Gespräch mit der "FAS". "Derart weitgehende Aufzeichnungspflichten helfen niemandem und liegen auch nicht im Interesse des Kunden." Der Klient dürfe nicht mal sagen, er wolle nicht, dass das Gespräch aufgezeichnet werde. "Hier wird der Kunde durch den Gesetzgeber bevormundet."

So wichtig die Regulierung gewesen sei, um den Bankenmarkt nach der Krise 2008 zu stabilisieren, jetzt treibe sie es zu weit. "Sie raubt uns Zeit und Kraft. Gerade die kleinen und mittleren Banken brauchen eine Entlastung", meint Peters. Berenberg habe jeden fünften Euro in der Informationstechnologie für Mifid II ausgegeben. "Das ist nicht akzeptabel. Die Banken brauchen das Geld für die digitale Transformation und neue Geschäftsmodelle." (bm)