In jüngster Zeit denken immer mehr Finanzplaner über einen Einstieg in die Branche der Family Offices nach. Ein solcher Wechsel war etwa auf der Fachkonferenz "Kontakte 2017: Financial Planning Praxis", die die EBS Business School, Oestrich-Winkel, und das PFI Private Finance Institute, Wiesbaden, im September in Mainz veranstalteten, ein großes Thema.

Die Gründe sind klar: Banken müssen in Zeiten dauerhafter Niedrigzinsen höhere Provisionen erzielen und rücken vom Financial Planning ab. Die gestiegenen Ansprüche an die Beratungsdokumentation machen die Arbeit schwieriger. Mit Inkrafttreten der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II wird sich die Situation noch verschärfen.

Christoph Weber, Vorsitzender des Verbandes unabhängiger Family Offices (VuFO), erläutert im Interview mit FONDS professionell ONLINE, wie der Sprung in die "Königsklasse der Vermögensverwaltung" gelingen kann.


Herr Weber, viele Financial Planner überlegen derzeit, in ein Family Office zu wechseln. Haben Sie den Eindruck, dass dies geradezu ein neuer Trend ist?

Christoph Weber: Ja, auf jeden Fall. Dieser Berufszweig erscheint vielen Finanzplanern momentan als sehr interessant und attraktiv. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ihnen ganz klar ist, wie komplex die Tätigkeiten sind, die in einem Family Office auf sie zukommen. Hier geht es darum, eine oder mehrere Familien bei der ganzheitlichen Verwaltung ihres Vermögens zu unterstützen. Dabei spielt Financial Planning natürlich eine Rolle. Die Arbeit von solchen Offices geht aber weit darüber hinaus. Ob das all den Finanzplanern, die gerade in die Branche der Family Offices drängen, wirklich bewusst ist, weiß ich nicht.

Oft ist allerdings zu hören, Financial Planner seien aufgrund ihrer ganzheitlichen Ausbildung für eine Tätigkeit in einem Family Office durchaus geeignet.

Weber: Das ist auch richtig, gewisse Kenntnisse, die man für diese Arbeit benötigt, werden durch das Financial Planning schon ganz gut abgedeckt. Natürlich betreuen Finanzplaner auch sehr wohlhabende Kunden. Aber die Vermögen, die in Family Offices gemanagt werden, erreichen eine ganz andere Größenordnung. Mit dem Management und dem Controlling solcher Summen hat der typische Financial Planner keine Erfahrung. Man muss sich vor Augen führen, dass unabhängige Multi Family Offices das reine Portfoliomanagement an externe Vermögensverwalter übertragen, um eventuelle Interessenkonflikte zu vermeiden. Die Arbeit umfasst vielmehr die Strukturierung und das Controlling des Vermögens, die Auswahl von Portfoliomanagern und Banken, die Erstellung einer Family Governance, außerdem Steuerfragen, Erbschaftsangelegenheiten bis hin zur Übertragung ganzer Familienunternehmen. Das übersteigt das Financial Planning. Aber natürlich kann man sich die nötigen Skills aneignen.

Am besten also "learning by doing"?

Weber: Ich halte es für erforderlich, dass sich Finanzplaner, die in ein Family Office einsteigen möchten, weiterbilden. Einen vom VuFO empfohlenen Spezialisierungslehrgang zum zertifizierten Family Officer bieten seit Kurzem die Fachseminare von Fürstenberg aus Köln an, eine Tochterfirma der Verlagsgruppe Otto Schmidt. Dieser Lehrgang vermittelt  aus unserer Sicht alle wesentlichen Grundkenntnisse auf sehr hohem Niveau. Es gibt auch andere Seminare und Lehrgänge, deren Inhalte ich aber nicht so genau kenne.


Wo sich Finanzplaner zum Family Officer weiterbilden können und wie der Einstieg in Branche gelingt, lesen Sie im neuen Heft 4/2017 von FONDS professionell, das Ende November erscheint.


Wie kann nach einer solchen Ausbildung der Einstieg in den Beruf am besten klappen?

Weber: Da es sehr unterschiedliche Family Offices gibt, muss man erst einmal differenzieren zwischen unabhängigen und bankgebundenen Büros. Ich kann mir vorstellen, dass ein Einstieg in die Praxis recht gut bei einem bankgebundenen Family Office funktionieren kann. Wer bereits fundierte Wertpapierkenntnisse und Erfahrungen mit Beteiligungen, auch im Bereich Private Equity, mitbringt, kann hier sicherlich Fuß fassen.

Allerdings unterliegen bankgebundene Offices der Regulierung. Was tun nun Finanzplaner, die der "Regulierungsfalle" entkommen möchten?

Weber: Dann bieten sich unabhängige Multi Family Offices an, die das Vermögen mehrerer Familien betreuen. Diese Büros investieren meist sehr breit über alle Asset-Klassen hinweg. Da ist ein Financial Planner auch gut aufgehoben. Man darf aber nicht vergessen, dass ein Family Office eine Lizenz nach Paragraf 32 Kreditwesengesetz benötigt, wenn es die Vermögensverwaltung nicht auslagert, sondern selbst übernimmt. Es gibt Offices, die genau dies tun. Dann fallen sie natürlich wieder unter die Regulierung.

Vielen Dank für das Gespräch. (am)