Die Stiftung Warentest hat in der neuen Ausgabe ihres Magazins "Finanztest" digitale Vermögensverwalter untersucht – mit durchwachsenem Ergebnis. Von den 14 getesteten Robo Advisorn erhielten nur zwei die Note "gut". "Befriedigend" schnitten sechs Angebote, "ausreichend" drei ab. Zwei der Online-Finanzdienste rügte die Stiftung gar mit "mangelhaft". Die Note "sehr gut" vergaben die Tester überhaupt nicht.

Das Ergebnis der renommierten Institution kommt einem Dämpfer für das aufstrebende Segment der digitalen Vermögensverwalter gleich. Immerhin vertrauen zahlreiche Deutsche auf das Urteil der Tester, wenn es um Staubsauger, Kindersitze oder Weichspüler geht. Angesichts der bescheidenen Ergebnisse werden sich Privatleite wohl kaum in Scharen dazu verleiten lassen, ihr Geld von Festgeldkonten abzuziehen und den digitalen Renditesuchern anzuvertrauen.

"Schonfrist" beim Performancevergleich
"Finanztest" prüfte bei der Untersuchung, wie detailliert die Robos die finanzielle Lage, die Risikoneigung und das Vorwissen der Kunden abfragen. Auch die Basisinformationen für Anleger, die Qualität des Portfolios und die Kosten begutachteten die Tester. Außen vor blieb aber das Abschneiden der Produkte. Die digitalen Vermögensverwalter seien noch zu jung. Eine Beurteilung der Performance sei daher noch nicht möglich. Andere sind in ihrer Analyse einen Schritt weiter: Der jüngste "Echtgeld-Test" des Portals Brokervergleich.de zeigte ein eher unrühmliches Abschneiden der zugrundeliegenden Algorithmen. Zudem testete die Stiftung nur Robos mit Lizenz der Finanzaufsicht Bafin nach Paragraf 32 Kreditwesengesetz sowie einer Mindesteinstiegssumme, die kleiner als 100.000 Euro ist.

Die Information der Kunden erachteten die Prüfer bei den meisten Anbietern als befriedigend oder gar nur als ausreichend. Deutlich besser schnitt das Feld bei der Ermittlung des Finanzstatus der Kunden ab. Hier erzielten die meisten Anbieter gute bis sehr gute Noten. Das Magazin "Ökotest" hatte im Frühjahr ebenfalls häufig die Information der Kunden bemängelt.

Ein "befriedigend" für den Platzhirsch
Im Endergebnis schnitten am besten Quirion von der Quirin Bank sowie das Start-up Whitebox mit der Note "gut" ab. Der Marktführer Scalable hingegen erreichte nur ein "befriedigend".

Die Tester bemängelten bei dem Branchenprimus vor allem den Portfolioaufbau. Dieser habe zum Testzeitpunkt ein Übergewicht an Aktien aufgewiesen. In einem früheren Test war den Prüfern ein hoher Anteil in Fremdwährungsanleihen aufgefallen. "Das kann ein Problem sein, weil bei unerwarteten Marktbewegungen Anpassungen zu spät kommen", schreiben die Tester. Bei Scalable richtet sich die Asset Allocation nach einer Risikosteuerung. Auch andere Robos, etwa Whitebox, Warburg und Robin greifen auf eine Risikosteuerung zurück. Deren Algorithmen würden diese Aufgabe allerdings besser lösen, schreiben die Tester, ohne jedoch eine genauere Begründung zu liefern.

Watsche für Cominvest und Co.
Auf den schlechteste Depotaufbau stieß Finanztest bei Cominvest, der Online-Vermögensverwaltung der Comdirect. Hier nahmen deutsche Aktien mit 30 Prozent ein übermäßiges Gewicht ein, die Hälfte davon waren sogar Technologietitel. Weitere 30 Prozent lagen in Schwellenländerfonds. Die Anleihenquote betrug 40 Prozent, davon allein die Hälfte in Hochzinsbonds. Dieses Aufstellung sei viel zu unausgewogen, kritisieren die Prüfer.

Bei den Kosten stießen die Tester bei der Commerzbank-Tochter gar auf eine Falle: Wer die reine Vermögensverwaltung "Wir für Sie" anwählt, bekommt alle Kickbacks erstattet. Wer sich hingegen für die Variante "Wir gemeinsam" entscheidet, bei der Anleger über das Depot mitbestimmen können, erhalte keine Kickbacks zurück – und zahle damit unter dem Strich mehr. Auch das reine Vermögensverwaltungsmodell schnitt in puncto Kosten jedoch schwach ab. Mit 1,87 Prozent Gesamtkosten pro Jahr war die Comdirect der teuerste Anbieter im Wettbewerb. Neben dem Warburg Navigator und Prosperity erhielt Cominvest die Gesamtnote "mangelhaft".

Zündstoff für Kritik
Die gewählten Kriterien der Prüfer wiederum bergen jedoch ebenfalls Zündstoff für Kritik. So mögen Beobachter argumentieren, dass manche der althergebrachten Gewissheiten an den Kapitalmärkten, auf die sich die Stiftung Warentest stützt, nicht mehr gelten. So darf getrost bezweifelt werden, dass etwa italienische Staatsanleihen per se sicherer sind als Hochzinspapiere von Unternehmen oder Bonds ausgewählter Schwellenländer.

"Finanztest" strafte zudem pauschal alle Angebote ab, in deren Portfolios aktive Fonds zum Einsatz kamen. Stattdessen wurde es als positiv gewertet, wenn bevorzugt börsengehandelte Indexfonds (ETFs) zum Einsatz kommen. Mit Blick auf die geringen Kosten und dem Einsatzzweck der ETFs in einem Portfolio mag dies richtig sein. Dennoch dürfte so mancher aktive Manager dieser pauschalen Wertung aus guten Gründen widersprechen. (ert)