Das neue Investmentsteuergesetz, das am 1. Januar 2018 in Kraft getreten ist, hat für Fondsanleger grundlegend neue Regeln gebracht. Eine zentrale Änderung sind die unterschiedlichen steuerlichen Teilfreistellungen, die Anleger je nach Fondsart bekommen – sofern die Kapitalverwaltungsgesellschaft die Voraussetzungen dafür geschaffen hat.

Ist das nicht der Fall, muss ein Fonds mit Mehrerträgen aufwarten, um die Steuernachteile wettzumachen. Die Rechnung, wie viel an Renditeplus erforderlich ist, damit ein Portfolio ohne Freistellungssatz gegenüber einem vergleichbaren Fonds mit Teilfreistellung gleichziehen kann, ist zwar nicht allzu schwierig, kostet aber Zeit. Diese können sich Berater jetzt sparen. Denn Rolf Klein, Geschäftsführer der Neutralis Kapitalberatung aus Krefeld, hat für solche Berechnungen extra ein eigenes Tool entwickelt.

Vorteilhafte Quoten
"Rein steuerlich gesehen bieten Fonds mit Kapitalbeteiligungsquoten Vorteile", sagt Klein. Eine einfache Vergleichsrechnung zeigt es: Bei einem Veräußerungserlös von 100.000 Euro müsste ein Anleger nach Abzug des Sparerfreibetrags für Ehepaare von 1.602 Euro die Summe von 98.398 Euro versteuern. Sofern er den Erlös mit einem Aktienfonds erzielt hat, der eine fixe Mindestkapitalbeteiligungsquote von 51 Prozent vorsieht, käme jetzt die steuerliche Teilfreistellung von 30 Prozent zum Tragen. Die steuerliche Bemessungsgrundlage beliefe sich demnach nur auf 68.879 Euro.

Nach dem Abzug von 25 Prozent Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer – insgesamt knapp 28 Prozent – dürfte sich der Anleger über einen Veräußerungsgewinn von 79.115 Euro freuen. Die Steuerkostenquote, also der Anteil von Steuern am Veräußerungserlös, läge bei 9,64 Prozent. Bei einem Aktienfonds, der keine Mindestkapitalbeteiligungsquote eingezogen hat, könnte der Anleger einen Nachsteuergewinn von lediglich 70.851 Euro einstreichen. Die Steuerkostenquote beliefe sich auf knapp 13,8 Prozent.

Wie hoch muss der Mehrertrag ausfallen?
"Interessant ist nun zu sehen, wie hoch der Mehrertrag sein muss, damit ein Fonds, der keine oder nur eine 15-prozentige Teilfreistellung bietet, nach Steuern auf den gleichen Gewinn kommt wie ein Portfolio mit einer Freistellung von 30 Prozent", sagt Klein. So zeigt sich: Ohne Kapitalbeteiligungsquote müsste der Ertrag des Fonds im Musterfall um 11.477 Euro höher liegen als der eines Portfolios, das eine Quote von 51 Prozent ausweist. Das ist immerhin ein Plus von rund 11,7 Prozent.

Über das Tool, das Klein entwickelt hat, lässt sich für jeden Kunden und jeden Fonds ohne feste Aktienquote schnell ausrechnen, welchen Mehrerlös er gegenüber einem Portfolio mit Quote bringen müsste. Und der Rechner bietet noch mehr. "Er zeigt auch die erforderliche Mehrrendite, die ein Fonds ohne oder mit einer 25-prozentigen Aktienquote pro Jahr vor Steuern erwirtschaften müsste, um mit einem Portfolio mit einer Quote von 51 Prozent gleichauf zu sein", erklärt Klein. Lesern von FONDS professionell stellt er seinen Rechner kostenfrei zur Verfügung. (am)

>> Hier geht’s zum Rechentool – einfach downloaden.


Einen ausführlichen Bericht über die Auswirkungen der unterschiedlichen steuerlichen Teilfreistellungen lesen Sie in der Ausgabe 3/2018 von FONDS professionell, die Ende September erscheint.