Der Leiter der Blackrock-Tochter iShares, Mark Wiedman, rechnet mit einem noch rasanteren Wachstum bei börsengehandelten Indexfonds (ETFs) in Europa. "Der große Push kommt erst noch, er wird von neuen Vorschriften für das Privatkundengeschäft getrieben", sagte Wiedman im Interview mit der Wirtschaftszeitung "Handelsblatt". In den USA habe sich aus dem gleichen Grund die Wachstumsrate verdoppelt. Dort müssen sich die Finanzberater meist von ihren Kunden separat bezahlen lassen. Sie dürfen keine Ausgabeaufschläge oder Provisionen mehr einnehmen.

Eine ähnliche Entwicklung stehe in Europa bevor, wenn die Finanzmarktrichtlinie Mifid II in Kraft tritt. "Einige Länder wie Großbritannien, die Niederlande und die Schweiz sind schon vorgeprescht", erläuterte Wiedman. Das bringe Druck auf die Gebühren für alle Fonds – und bei den Anlageberatern einen starken Anreiz zum Einsatz der ohnehin günstigen Indexfonds. "In den Niederlanden war der Effekt durchschlagend: Vor den neuen Regeln waren in den Depots nur wenige Prozent ETFs und nicht gelistete Indexfonds, nach der Umstellung machten sie die Hälfte aus", so der iShares-Chef in dem "Handelsblatt"-Interview.

Das Ziel: 2,5 Billionen Euro
In Europa stecken derzeit 600 Milliarden Euro in ETFs. Die Märkte USA und Europa würden sich zwar grundsätzlich unterscheiden, schränkt Wiedman ein. Die Wachstumstrends würden aber auch Europa irgendwann US-Verhältnisse bescheren, das ETF-Volumen werde sich vervierfachen. "Ziel wären dann zweieinhalb Billionen Euro. Das halte ich für realistisch, aber es wird zehn bis 15 Jahre brauchen", so der Manager. Blackrock ist mit seiner Tochter iShares der größte ETF-Anbieter – sowohl weltweit als auch in Europa.

Kritiker warnen, dass mit der rasanten Zunahme passiver Investments die Preisfindung an den Märkten gestört werden könnte. Dies wehrt Wiedman ab. "Indexanlagen machen einen geringen Anteil an den Märkten aus", so der Manager. Die Anlegermeinung setze sich nach wie vor durch, nicht nur bei Einzelwerten, sondern bei Märkten, Branchen, Themen und Strategien. Zu einem Übergewicht an Index-Anlegen werde es nie kommen. "Es wird vorher einen Gleichgewichtspunkt geben, wenn ich auch nicht weiß, wo der ist. Woran wir ihn erkennen werden? Wir sehen an diesem Punkt wahrscheinlich eine wieder bessere Performance der aktiven Manager", argumentiert der iShares-Mann. (ert)