Was wird wohl die Zukunft bringen? Diese Frage stellt sich jeder erwachsene Mensch hin und wieder. Zuverlässig beantworten kann sie niemand. Matthias Horx aber hört oft eine etwas anders gelagerte Frage zum selben Thema. "Als Zukunfts- und Trendforscher wird man häufig gefragt, wie Zukunft eigentlich entsteht", sagte der Gründer und Inhaber des Zukunftsinstituts mit Sitz in Frankfurt am Main, München und Wien.

In seinem Vortrag, den er beim FONDS professionell KONGRESS Ende im Mannheimer Rosengarten hielt, lieferte er auch die Antwort. "Zukunft entsteht, wenn Beziehungen gelingen", erklärte Horx. Und so entsteht für ihn auch echte Nachhaltigkeit.

"Nachhaltigkeit ist schon die richtige Richtung", sagte der Zukunftsforscher. Immerhin habe die Bewegung der sogenannten "grünen Ökologie" in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland und Europa einen wahren Siegeszug angetreten. Heute sei aber darüber nachzudenken, wie sich Nachhaltigkeit verändert, welche Themen und Lebensbereiche neu hinzugekommen seien. "Und wir sollten überlegen, wie wir künftig am besten in Nachhaltigkeit investieren können, welche Unternehmen sinnvolle Anlageziele sind", erläuterte der Experte.


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Mit dem Club of Rome fing es an
In der Tat vollziehen sich auf dem Gebiet der Ökologie und des nachhaltigen Wirtschaftens deutliche Veränderungen. "Wir leben seit fast 30 Jahren mit dem Begriff der grünen Nachhaltigkeit, der Bio-Ökologie", sagte Horx. Wesentlich geprägt wurde das Verständnis von der grünen Ökologie durch den Club of Rome. Die Vereinigung wurde bereits 1968 Rom ins Leben gerufen. Ihr gehören Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur aus vielen Ländern an. Ziel des Zusammenschlusses ist es, sich für eine nachhaltige Zukunft einzusetzen. Bekannt geworden ist der Club of Rome vor allem durch seinen Bericht "Die Grenzen des Wachstums" ("Limits to Growth"), der 1972 erschien.

"Was der Club of Rome seitdem aber immer wieder predigt, bezeichne ich gern als Strafökologie", sagte Horx. Alle Szenarien des Think Tanks führten stets in die Katastrophe: Die globale Bevölkerungszahl explodiert, Nahrungsmittel werden knapp, Hungersnöte brechen aus. "Doch zumindest in den Industrieländern ist nichts davon passiert", sagte Horx. Zwar werde irgendwann sicherlich das Öl ausgehen. "Aber dann brauchen wir eben neue Energieträger, die es ersetzen", erklärte der Zukunftsforscher.

Weg von der Verzichtslogik
"Genau darum geht es, wir müssen weg von dem Gedanken der Knappheit, weg von der Verzichtslogik und hin zur Lösungslogik, hin zur sogenannten blauen Nachhaltigkeit", forderte Horx. Er selbst unterstützt die Bewegung der Ökomodernisten, die in vielen Teilen der Welt das Thema Nachhaltigkeit ganz neu erfinden. "Für mich ist das ein 'ökologischer Hedonismus'", sagte Horx. Dabei entstünden neue Zukunftskonzepte, die statt durch Angst, Sparen und Verzicht durch Lust und Spaß, durch "ökologisches Verschwenden" gekennzeichnet seien.

"Genau solche Unternehmen sind es auch, in die wir investieren sollten", konstatierte der Experte. Firmen, die etwa vegetarische Burger produzieren, Garnelen in Bayern züchten, um lange Transportwege zu vermeiden. "Oder das Unternehmen, das meine Turnschuhe hergestellt, die eines Tages auf dem Komposthaufen landen und irgendwann meinen Garten düngen werden", sagte Horx.

Beziehungen zwischen Natur und Technologie  
"Es gibt Betriebe, die produzieren, ohne dass dabei Müll entsteht, weil sie alle Materialien und Teile wieder verwerten", erzählte er. Vorstellbar seien längst auch Häuser, die sich mit der Zeit von selbst mit der Natur verbinden. "Genau das ist Zukunft", sagte Horx. "Wenn ganz neue Beziehungen entstehen zwischen Menschen, aber auch zwischen Mensch und Natur, zwischen Technologie und Natur, dann entsteht Zukunft." Und neue blaue Nachhaltigkeit. (am)