Die Landesbausparkasse (LBS) Bayern plant, auch in den nächsten Monaten alte Verträge zu kündigen. Das Unternehmen konzentriere sich auf Bausparer, die wirklich einen Immobilienkredit aufnehmen wollen oder dies in der Zukunft vorhaben, sagte Vorstandschef Franz Wirnhier laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ). Kunden, die die volle Bausparsumme angespart oder seit mehr als zehn Jahren kein Bauspardarlehen aufgenommen haben, müssen mit einer Kündigung rechnen.

Das Statement ist bemerkenswert. In den vergangenen Monaten gab es eine Reihe von Gerichtsprozessen, in denen darüber gestritten wurde, ob und unter welchen Umständen die Bausparkassen ein Kündigungsrecht haben. Das letzte Wort dazu wird vermutlich im kommenden Jahr der Bundesgerichtshof haben (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Die Kündigung ist aus Sicht der Geldinstitute nachvollziehbar: Vor allem Kunden mit älteren, vergleichsweise hochverzinsten Bausparverträgen vvon bis zu fünf Prozent nutzen diese nicht zur Immobilienfinanzierung, sondern als Anlage. Das ist den Bausparkassen ein Dorn im Auge, da die Minizinsen es ihnen immer schwerer bis unmöglich machen, diese Zinsen tatsächlich zu erwirtschaften.

Steigende Bauzinsen
Die Zeitung berichtet noch über eine andere Entwicklung bei den Bausparkassen. Seit der US-Präsidentschaftswahl haben viele Banken die Bauzinsen leicht erhöht. Der Hintergrund: Mit einem schuldenfinanzierten Konjunkturprogramm könnten – zumindest in den USA – Inflation und Zins bald wieder steigen. "Die Anzeichen verdichten sich, dass Bauherren und Immobilienkäufer künftig wieder mit höheren Kosten bei der Finanzierung rechnen müssen", sagt Wirnhier der Zeitung.

Die LBS Bayern hoffe daher, dass sich viele Anleger die aktuell niedrigen Zinsen mit neuen Bausparverträgen sichern. Die Kasse bietet bei neuen Verträgen Kreditzinsen ab 1,4 Prozent pro Jahr an. Die Zinsen auf das Sparguthaben betragen aber nur 0,1 Prozent. (jb)