Die Versicherungs- und Vermittlerbranche schaut derzeit gebannt nach Berlin, weil das Bundesfinanzministerium (BMF) an einer Überprüfung des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) arbeitet. Die ersten Details, die durchsickerten, dürften Vermittlern alles andere als gefallen, da die Beamten des BMF offenbar einen harten Provisionsdeckel bei Lebenspolicen erwägen. Vermittlerverbände sind entsprechend alarmiert – und angriffslustig, wie der Branchendienst "Versicherungswirtschaft Heute" (VWH) schreibt.

So betont Norman Wirth, geschäftsführender Vorstand des AfW Bundesverbandes Finanzdienstleistungen, dass der Kampf gegen den Deckel noch lange nicht vorbei sei. Dem Rechtsanwalt schwane aber laut VWH Ungemach: Er fürchtet einen "schmutzigen Deal" zwischen Politik und Versicherern, bei dem letztere für Zugeständnisse bei der Berechnung der Zinszusatzreserve die Zusage für einen Provisionsdeckel geben könnten. Wirth betont laut dem Branchendienst, dass die Vermittlerschaft weder für das Niedrigzinsniveau noch für eventuelle Fehlkalkulationen von Unternehmen verantwortlich sei. 

BVK freundet sich mit Bafin-Vorschlag an
Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) nennt die Pläne der Regierung laut VWH "nicht nachvollziehbar". Aus Sicht des BVK müssten erst einmal die Unternehmen liefern. Der Verband wolle daher bei Gesprächen mit Politikern darauf hinweisen, dass diese lieber die Verwaltungskosten der Versicherungsunternehmen als die Courtagen unter die Lupe nehmen sollten. Zudem solle die Assekuranz ihre "Verwaltungs- und Marketingkosten senken", ihr "Produktportfolio verschlanken" und den "Tarifdschungel" lichten. 

Heinz findet daher den Vorschlag der Finanzaufsicht Bafin nachdenkenswert, die statt eines Deckels bei den Vermittlervergütungen einen "Provisionsrichtwert" vorschlägt. "Wenn trotz dem allem über eine Provisionsbegrenzung diskutiert wird, würden wir für die Bafin-Lösung eines 'atmenden' Provisionsdeckels optieren, weil sie zumindest gewisse flexible Limitierungen zulässt", zitiert ihn VWH. Dieser müsse jedoch "zeitlich begrenzt" sein, beispielsweise solange wie die "Niedrigzinsphase existiert". Beide Verbänden betonten übrigens, dass sie auch den Rechtsweg gegen einen Provisionsdeckel beschreiten würden.(jb)