Auch wenn die Schweiz nicht Mitglied der Europäischen Union ist – von den Regelungen, die die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II seit Jahresbeginn vorschreibt, sind eidgenössische Banken und Finanzdienstleister dennoch betroffen. Das gelte zumindest, wenn sie Kunden haben, die aus der EU kommen oder wenn sie dort Geschäfte machen, berichtet die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ). Daher arbeitet der Gesetzgeber derzeit am Finanzdienstleistungsgesetz (Fidlig), das die Vorgaben von Mifid II wenigstens in groben Zügen umsetzen soll.

Doch die Schweizer lassen sich Zeit: Das neue Regelwerk wird, ebenso wie das neue Finanzinstitutsgesetz (Finig), frühestens im Juli 2019 in Kraft treten, eventuell auch später. Derzeit seien bei den neuen Regeln für den Schweizer Finanzmarkt noch einige Detailpunkte offen, schreibt die NZZ. Die großen Linien stünden aber immerhin fest.

Banken und Vermögensverwalter sehen Pluspunkte
Banken könnten den geplanten Regulierungsvorschriften durchaus Pluspunkte abgewinnen. Das Fidleg habe Finanzinstitute dazu veranlasst, grundlegend über die Anlageberatung nachzudenken und sie neu auszurichten, urteilten Branchenvertreter der NZZ zufolge auf einer Tagung der Fachschule für Bankwirtschaft. Auch der Verband Schweizerischer Vermögensverwalter (VSV) sehe das Fidleg positiv, schreibt die NZZ. Mit den neuen Finanzmarktregeln würden die unabhängigen Vermögensverwalter erstmals gesetzlich anerkannt, habe der Verband erklärt. Die Zeiten, in denen man von einer "unregulierten Branche" gesprochen habe, seien damit endgültig vorbei.

Das Fidleg und das Finig befinden sich derzeit in der parlamentarischen Beratung, berichtet die NZZ. Neben der Schaffung gleicher Voraussetzungen für alle Marktteilnehmer im Inland und der Förderung der Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes sollen die Gesetze vor allem den Anlegerschutz verbessern.

Vorest noch zweigleisig fahren
Da Banken mit EU-Kunden ohnehin die Vorschriften von Mfid II einhalten müssen, ist das Fidleg eng an die EU-Finanzmarktrichtlinie angelehnt. So sollten "Doppelspurigkeiten" vermieden werden, die Zusatzkosten verursachten, schreibt die NZZ. Bis Mitte kommenden Jahres müssen betroffene Finanzinstitute allerdings noch zweigleisig fahren. (am)