Es sind nur noch wenige Monate, dann ist es soweit: Am 1. Januar 2018 tritt das neue Investmentsteuerreformgesetz in Kraft. Für Publikumsfonds wird es dann zu einem Systemwechsel kommen, denn der Gesetzgeber ändert das Besteuerungsprinzip grundlegend.

Die neuen steuerlichen Regeln und Vorschriften, die das Gesetz mit sich bringt, sind sehr komplex, auch wenn die Fondsbesteuerung aus der Sicht von Privatanlegern einfacher wird. Damit sich Berater und institutionelle Investoren rechtzeitig darauf vorbereiten können, hat der deutsche Fondsverband BVI in Kooperation mit FONDS professionell ein zweiteiliges Seminar veranstaltet – mit großer Resonanz.

Am Vormittag des Seminartages lauschten über 80 hochinteressierte Finanzberater den Ausführungen von Peter Maier, Leiter der Abteilung Steuern, Altersvorsorge und Statistik beim BVI. Der zweite Teil war den Investoren gewidmet. Diese verfolgten Maiers Erläuterungen zu den Hintergründen der Reform, den Grundzügen des Gesetzes sowie den wesentlichen Neuerungen nicht minder gespannt. Mögen die Fakten auch kompliziert sein, Peter Maier erklärte sie sehr gut verständlich – und oft sogar mit einer Prise Humor. So fiel es Beratern und Investoren dann doch recht leicht, die schwierige Materie zu durchblicken. Zumal Maier seine Vorträge von den Gründen der Reform bis zu verzwickten Details sehr logisch aufgebaut hatte.

15 Prozent Steuern auf Fondsebene
Das Investmentsteuerreformgesetz ist am 19. Juli 2016 verabschiedet worden, am 1. Januar 2018 tritt es in Kraft. Bislang werden Fondsanleger im Wesentlichen wie Direktanleger behandelt: Nur der Anleger wird besteuert, aber nicht der Fonds. Dies ändert sich ab dem kommenden Jahr. Dann müssen auch in Deutschland aufgelegte Fonds Steuern in Höhe von 15 Prozent auf deutsche Dividenden, deutsche Mieterträge und Gewinne aus dem Verkauf deutscher Immobilien zahlen. Damit stellt der Gesetzgeber ihre steuerliche Belastung grundsätzlich mit der von ausländischen Fonds und deren Einkünften aus Deutschland gleich. "Dies war eines des wesentlichen Ziele der Reform", erklärte Maier.

Die Besteuerung auf der Fondseingangsseite würde die Erträge der Investoren schmälern, hätte der Gesetzgeber nicht vorgesorgt. Da es im Großen und Ganzen durch die Investmentsteuerreform weder zu Steuererhöhungen noch zu -senkungen kommen soll, sieht das neue Gesetz die sogenannten Teilfreistellungen vor, die einen gewissen Prozentsatz der Ausschüttungen und Gewinne aus der Veräußerung von Fondsanteilen bei den Anlegern steuerfrei stellen. Diese Regeln gelten künftig für deutsche und ausländische Investmentfonds gleichermaßen. In der Höhe variieren die Teilfreistellungssätze je nach Art des Fonds. Für steuerbefreite institutionelle Anleger hat der Gesetzgeber zudem vorgesehen, dass die vom Fonds gezahlte deutsche Steuer diesen Anlegern erstattet werden kann.

Unterschiedliche Quoten
Wer in Mischfonds mit einer fortlaufenden Kapitalbeteiligungsquote, so der Fachbegriff, von mindestens 25 Prozent investiert ist, erhält auf seine Erträge eine steuerliche Teilfreistellung von 15 Prozent. Aktien fallen grundsätzlich unter den Begriff Kapitalbeteiligungen. Liegt die Kapitalbeteiligungsquote eines Fonds fortlaufend bei mindestens 51 Prozent, bleiben 30 Prozent der der Ausschüttungen und Gewinne aus dem Verkauf der Anteile beim Privatanleger steuerfrei. Bei offenen Immobilienfonds, die fortlaufend zu mindestens 51 Prozent in Immobilien und Immobiliengesellschaften investieren, sind es 60 Prozent. Liegt der Investitionsschwerpunkt im Ausland, beläuft sich der Teilfreistellungssatz auf 80 Prozent, sofern mindestens 51 Prozent des Fondsvermögens in ausländischen Immobilien oder Immobiliengesellschaften investiert sind.

Auch die zweite wesentliche Neuerung, die Vorabpauschale, legte Steuerberater Maier leicht verständlich dar: Bei thesaurierenden Fonds werden künftig während der Haltedauer nicht mehr die tatsächlich erzielten laufenden Erträge besteuert. Stattdessen wird eine nach einer gesetzlich festgelegten Formel berechnete Pauschale erhoben. "Im Vergleich zum bisherigen Steuerrecht verbessert sich die Situation", sagte Maier. "Derzeit müssen die nicht ausgeschütteten laufenden Erträge des Fonds von den Anlegern unabhängig von der Wertentwicklung des Fonds versteuert werden. Die zukünftige Vorabpauschale setzt hingehen eine positive Wertentwicklung eines Fonds im Kalenderjahr voraus."

Viele Fragen, fundierte Antworten
Dass im Anschluss an Maiers Vortrag enorm viele Fragen gestellt wurden, versteht sich bei einer so komplexen und gleichzeitig spannenden Materie wie der Investmentsteuerreform fast von selbst. Von der Besteuerung von Fondspolicen bis hin zu der Frage, ob thesaurierende Fonds künftig vorteilhafter sein werden als ausschüttende, ließen die Teilnehmer kaum ein Thema aus. Peter Maier beantwortete alles aus dem Effeff. Ein gelungener Seminartag, der bei Finanzberatern und Investoren für viele neue Erkenntnisse sorgte. (am)