Die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II verlangt den Asset Managern Schätzwerte zu den künftigen Transaktionskosten für ihre Fonds ab. Diese für die Branche neue Kennzahl fließt in den Ex-ante-Kostenausweis ein, der Anlegern seit Jahresbeginn vor dem Abschluss eines Wertpapiergeschäfts vorzulegen ist. FONDS professionell ONLINE hat auf Basis von Morningstar-Daten für mehr als 40.000 Anteilsklassen von Publikumsfonds mit Vertriebszulassung in Deutschland und Österreich untersucht, wie die Investmenthäuser mit dem Thema umgehen. Die Ergebnisse werden in drei Artikeln veröffentlicht.

Teil 1 gibt einen Marktüberblick und zeigt, wie die Transaktionskosten verteilt sind. Teil 2 blickt auf die Durchschnittswerte zahlreicher Anbieter. Im aktuellen und letzten Teil nimmt die Redaktion ausgewählte Fonds, die im breiten Vertrieb von besonderer Bedeutung sind, unter die Lupe.

Schätzwerte mit realen Zahlen verglichen
Die Wahl fiel auf zehn Misch- und drei Aktienfonds. Diese Produkte stehen entweder aktuell im Fokus des freien Vertriebs oder sie gehörten einst zu den absoluten Bestsellern und spielen deshalb eine wichtige Rolle in den Depots Tausender Anleger.

In den Grafiken in der Bilderstrecke oben finden sich nicht nur die aktuellen Schätzwerte für die Transaktionskosten, sondern auch die tatsächlich angefallenen Handelskosten gemäß der jüngsten Jahresberichte. In diesen Dokumenten werden die expliziten Transaktionskosten ausgewiesen, die Positionen wie Börsenspesen und Brokergebühren umfassen. Die neuen Schätzwerte für den Mifid-II-Kostenausweis sollen nicht nur solche Posten umfassen, sondern auch die impliziten, bislang nicht sichtbaren Transaktionskosten. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Teile der Geld-Brief-Spanne (nähere Erläuterungen finden Sie im ersten Teil unserer Serie).

In den Jahresberichten rechnen die Anbieter in Euro und Cent vor, wie hoch die expliziten Transaktionskosten waren. Um diesen Wert auf eine prozentuale Größe umzurechnen, hat FONDS professionell ONLINE diesen Betrag durch das Fondsvolumen geteilt, ermittelt als Durchschnittswert des Fondsvermögens zu Beginn und zu Ende des jeweiligen Geschäftsjahres. Die entsprechende Prozentzahl ist also eine Annäherung und kein genauer Wert.

Das Polster ist unterschiedlich dick
Intuitiv ist zu vermuten, dass der aktuelle Schätzwert für die Transaktionskosten höher sein sollte als der im Jahresbericht ausgewiesene Betrag, schließlich umfasst der neue Ausweis nicht nur die expliziten, sondern auch die impliziten Kosten.

Bei den drei untersuchten Aktienfonds DWS Top Dividende, Fidelity European Growth und Templeton Growth ist das der Fall. Auch bei acht der zehn analysierten Mischfonds liegt die Schätzung über dem Wert aus dem jüngsten Jahresbericht – wenn auch in manchen Fällen nur hauchdünn. Bei zwei gemischten Portfolios sind die geschätzten Transaktionskosten allerdings niedriger als zuletzt im Jahresbericht ausgewiesenen: beim Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen und beim Carmignac Patrimoine.

Frankfurter Aktienfonds: Selbstbezahltes Research senkt Kosten
Beim Frankfurter Aktienfonds, der von der Investmentboutique Shareholder Value Management verantwortet wird, lagen die Transaktionskosten laut Jahresbericht zuletzt bei 15 Basispunkten. Künftig rechnet Shareholder Value nur noch mit neun Basispunkten. Vertriebsvorstand Philipp Prömm weist darauf hin, dass sein Haus die Researchkosten seit diesem Jahr selbst bezahlt. "Als Differenz bleiben die tatsächlichen Transaktionskosten", so Prömm.

Früher stellten die Brokerhäuser den Asset Managern Aktien- und Marktanalysen kostenlos zur Verfügung. Honoriert wurde das über höhere Margen im Handel. Mifid II untersagt ein solches Vorgehen. Die Investmentgesellschaften müssen Research daher entweder selbst bezahlen oder die entsprechenden Rechnungen der Analysehäuser auf die Fonds – und damit die Anleger – umlegen. Die meisten Anbieter schultern die Kosten selbst, mit dem Ergebnis, dass die Transaktionskosten künftig zumindest etwas niedriger ausfallen dürften.

Carmignac Patrimoine: Hohe Kosten, niedriger Schätzwert
Beim Carmignac Patrimoine lagen die expliziten Transaktionskosten im Jahr 2016 laut Jahresbericht bei 91,8 Millionen Euro – ein im Branchenvergleich stolzer Wert. Umgerechnet auf das Fondsvolumen von durchschnittlich 24,9 Milliarden Euro ergibt das einen Satz von 0,37 Prozent. Als Schätzwert für die Transaktionskosten gibt der Pariser Anbieter allerdings nur 0,15 Prozent an, also weniger als die Hälfte. Carmignac Patrimoine verweist auf Anfrage darauf, zur Berechnung dieser Kennzahl das "New PRIIPs"-Verfahren angewandt zu haben (Details finden Sie im ersten Teil dieser Serie).

Und wie kommt der recht große Unterschied zu den jüngst ausgewiesenen tatsächlichen Kosten zustande? Hierzu teilt der Anbieter mit, die Transaktionskosten aus dem Jahresbericht würden mehr umfassen als die Mifid-Transaktionskosten. Der entsprechende Posten im Jahresbericht inkludiere "auch andere transaktionsabhängige Gebühren", heißt es in der Stellungnahme. Um das einordnen zu können, hilft das Wissen um eine Besonderheit französischer Fonds: Deren Asset Manager dürfen ihren Fonds nämlich eine Provision für erfolgreiche Transaktionen berechnen. Laut Verkaufsprospekt des Carmignac Patrimoine belaufen sich die "von der Verwaltungsgesellschaft vereinnahmten Umsatzprovisionen" je Transaktion auf bis zu 0,3 Prozent an der französischen Börse und bis zu 0,4 Prozent an einem anderen Handelsplatz. In deutschen oder Luxemburger Fonds sind solche Extragebühren nicht zu finden.

FvS Multiple Opportunities: Von negativ zu positiv
Im FvS Multiple Opportunities liegen die erwarteten Transaktionskosten der aktuellen Schätzung aus dem Hause Flossbach von Storch zufolge bei 0,15 Prozent. Das klingt plausibel, schließlich lagen die expliziten Transaktionskosten zuletzt bei rund 0,10 Prozent. Interessant ist allerdings, dass der Kölner Vermögensverwalter vor wenigen Wochen noch mit negativen Schätzwerten operierte. Flossbach von Storch wendet die "Arrival Price"-Methode an, bei der dieses Phänomen durchaus vorkommen kann (Details finden Sie hier).

Die ersten Berechnungen nach diesem Verfahren im vergangenen Jahr hätten anfangs teilweise zu realitätsfernen Ergebnissen geführt, heißt es von dem Kölner Vermögensverwalter. Doch dann arbeitete sich das Team Stück für Stück vor, und die Qualität der Schätzung wurde immer besser.

Bleibt die Frage, warum Flossbach von Storch überhaupt auf die "Arrival Price"-Methode setzt, die erstens branchenintern umstritten und zweitens für den Mifid-II-Kostenausweis nicht zwingend vorgeschrieben ist. Der Anbieter verweist darauf, dass die ESMA dieses Verfahren ausdrücklich empfiehlt. Außerdem werde diese Methode schon bald in der Breite ankommen: Denn in weniger als zwei Jahren läuft eine Übergangsphase ab, in der für Publikumsfonds weiterhin die bekannten "Wesentlichen Anlegerinformationen" verwendet werden dürfen. Sie werden Ende 2019 durch die PRIIPs-Dokumente abgelöst, in denen die Arrival-Price-Methode heute schon zum Einsatz kommt. Auch deshalb habe sich das Haus dazu entschieden, die Schätzwerte für die Transaktionskosten von Anfang an mit diesem Verfahren zu berechnen.

Kapital Plus: Puffer größer als zunächst vermutet
Für den Kapital Plus A kommt die Redaktion mit ihrer Überschlagsrechnung auf Basis des jüngsten Jahresberichts auf eine Transaktionskostenquote von 0,027 Prozent. Für den Mifid-II-Kostenausweis schätzt Allianz Global Investors (AGI) diese Position auf 0,029 Prozent, also kaum höher. AGI verweist darauf, dass die Kostenquote über den gesamten Fonds – und nicht nur die Anteilsklasse A – und auf Basis der monatlichen Durchschnittswerte für die vergangenen Jahre bei rund 0,015 Prozent gelegen habe. Der Puffer zu den zuletzt angefallenen expliziten Transaktionskosten sei also größer, als es zunächst erscheine. (bm)