Einmal im Jahr bekommen berufstätige Menschen in Deutschland ein Schreiben der gesetzlichen Rentenversicherung zugeschickt. Eigentlich soll dieses informativ sein. Aber nur zwei von drei Adressaten helfen die Angaben aus der Renteninformation tatsächlich dabei, die Höhe ihrer späteren Rentenbezüge einzuschätzen, zeigt eine Umfrage des Fondsanbieters Fidelity unter tausend Arbeitnehmern. Jeder Fünfte versteht die Renteninformation sogar überhaupt nicht.

Mehr als die Hälfte der Befragten wünscht sich ein Online-System, das die individuellen Altersvorsorgeeinkünfte aus gesetzlicher, privater und betrieblicher Rente zusammenfasst und transparent ausweist. In Skandinavien gibt es ein solches Online-Rentenkonto bereits, in Deutschland ist es immer wieder in der Diskussion. "Wir brauchen dringend mehr Transparenz in der Altersvorsorge. Eine säulenübergreifende Renteninformation ist deshalb ein sinnvoller Schritt", sagt Alexander Leisten, Leiter des Deutschlandgeschäfts bei Fidelity.

Leichte Sprache statt komplexe Rechnungen
Mit Abstand am wichtigsten ist Arbeitnehmern eine verständliche Sprache der Renteninformation. Mehr als 90 Prozent der Befragten halten diesen Punkt für sehr wichtig oder wichtig. Rechenbeispiele wünschen sich dagegen nur zwei Drittel der Umfrageteilnehmer. "Jeder Arbeitnehmer muss sofort erkennen, warum es für ihn persönlich notwendig ist, vorzusorgen, und welche Maßnahmen er ergreifen kann", fordert Fidelity-Mann Leisten. Er sieht Politik und Finanzdienstleister gleichermaßen in der Verantwortung, an Lösungen zu arbeiten.

Derweil kommen die Bemühungen um die Einrichtung eines Online-Rentenkontos mit großen Schritten voran, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Mit zehn Projektpartnern habe  Anfang Mai in Frankfurt eine Auftaktveranstaltung stattgefunden in der ein gemeinsamer Aktionsplan vereinbart wurde. Ziel sei es, bis spätestens Ende 2019 einen Prototypen vorzulegen, der es ermöglicht, eine Vorstellung von einer solchen zentralen Informationsplattform zu erhalten. Nur wenn alle Träger der drei Säulen zusammenarbeiteten, lasse sich eine sinnvolle Aufklärung der Verbraucher erreichen. (fp/ps)