Automatisierte Vermögensverwalter in den USA gehen höhere Risiken ein als deutsche Robo-Berater. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Frankfurter Indexanbieters Solactive. Demnach unterscheiden sich die Aufteilungen der Anlageklassen bei den Robo-Advice-Angeboten in den einzelnen Ländern kaum voneinander. Allerdings setzten die amerikanischen Algorithmen meist eine höhere Aktienquote an.

Bei dem Vergleich haben die Experten das Angebot für Robo Advice in den beiden Ländern verglichen. Dafür entwickelten sie drei Mustersparer, den jungen, risikobereiten Berufsanfänger "Bart S.", die gut verdienende Mittvierzigerin und mehrfache Mutter "Lisa S." sowie den konservativen Rentner "Abraham S." Die Namen sind eine Anspielung auf die Comic-Serie "Die Simpsons". Mit diesen drei Risikoprofilen testeten die Solactive-Fachleute die jeweiligen Robo-Berater durch. Diese nutzen überwiegend börsengehandelte Indexfonds (ETFs) für die Umsetzung der Anlagestrategie.

Auch Robos sind heimatverliebt
Kaum ein Unterschied zwischen den USA und Deutschland ergab sich bei der Zahl der für den Portfolio-Aufbau genutzten ETFs. Im Schnitt liegt diese bei zehn Fonds. Der Großteil der Robo-Berater greift dabei auf Standard-Produkte zurück, die die Entwicklung herkömmlicher, nach Marktkapitalisierung gewichteter Marktbarometer widerspiegeln. Sogenannte Smart-Beta- oder Faktor-Produkte finden nur selten Eingang in die chipgesteuerten Portfolios. Dafür nutzen die Robos häufig alternative Anlageklassen wie Rohstoffe oder Immobilien.

Ein weiterer Wesenszug ist den Online-Beratern über den Atlantik hinweg gleichermaßen zu eigen: Sie investieren übermäßig stark in den jeweiligen Heimatmarkt. Zu dieser sogenannten "Home Bias" neigen auch viele menschliche Investoren. Die deutschen Robos setzten im Schnitt zu 40 Prozent auf europäische Märkte, die US-Pendants gar zu 52 Prozent auf den heimischen Aktienmarkt.

Bart, Lisa und Abraham zahlen in Deutschland mehr
Einen Unterschied gibt es hingegen beim Preis. Die US-Angebote sind deutlich günstiger. So liegen die von den Online-Verwaltern erhobenen Kosten in den USA im Schnitt bei 0,25 Prozent des Portfolio-Volumens. Bei den deutschen Diensten liegt die Quote dagegen bei 0,67 Prozent. Dies geht einher mit höheren Kosten der in den Depots liegenden ETFs. Die beziffern sich im Schnitt in Deutschland auf 0,29 Prozent, in den USA nur auf 0,18 Prozent. Die Solactive-Forscher begründen dies damit, dass der amerikanischen ETF- und Robo-Advice-Markt ausgereifter sei als der deutsche. (ert)