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Zu schön, um wahr zu sein

26.11.2003

Mit einem allzu verlockenden Finanzierungsangebot versuchte eine dubiose Gesellschaft Vermittler zu gewinnen. Der Fall hat Lehrbuchcharakter.

Das Internetforum von gomopa.net enthielt Mitte Oktober mehrere hundert (!) Beiträge von interessierten Privatpersonen sowie Finanzierungs- und Anlageberatern zum Thema „First Net Finance Ltd.“. Schon seit Jahresbeginn rätselten die Diskutanten darüber, ob denn das Angebot dieser Gesellschaft seriös sein könne oder nicht. Es klang für Vermittler und Kreditnehmer nämlich allzu verlockend. Anbieter waren im Verbund: First Net Finance Ltd., First Net Bank Inc. und eine Versicherung namens Helvetia Group Ltd., und verprochen wurden eine unbürokratische Kreditvergabe für Privatpersonen und Unternehmen ohne lästige Bonitätsprüfung sowie hohe Provisionen für die Vermittler der Kredite. Und das ließ viele Finanzierungsberater aufhorchen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Mehrzahl der Profis auf Seiten der Banken in letzter Zeit eine restriktivere Vorgangsweise bei der Kreditvergabe zu erkennen glaubte und man hoffen konnte, hier eine Alternative zu finden.
Offeriert wurde die „unproblematische Vergabe von Festzinskonditionen ab 0,8 Prozent, ohne Banksicherheit, auch in schwierigen

 

Fällen“ (siehe Faksimile). Das Angebot kam den meisten Beratern zwar verdächtig vor, ganz ausschließen wollte man die Möglichkeit dann aber doch nicht. Ein Berater zu FONDS professionell: „Es ist bekannt, dass im arabischen Raum sehr viel Schwarzgeld aus Ölgeschäften unverzinst in Cash herumliegt, es erschien gar nicht so unwahrscheinlich, dass versucht werden sollte, diese Gelder über Kreditgeschäfte weiß zu waschen.“

Skeptisches Interesse
Auch der Wiener Vermögensberater Günther Hindinger sah das Angebot von First Net Finance zwar mit Skepsis, aber doch interessiert: „Wir haben, nachdem wir im Juni ein Fax erhalten hatten, bei der Gesellschaft angefragt und auch rasch Unterlagen erhalten. Parallel dazu haben wir zu recherchieren begonnen, was hinter der Sache steckt.“ Hindinger war dabei gründlich, so richtete er auch eine Anfrage an die Zentralbank der Komoren, denn sowohl die First Net Bank als auch die Helvetia Group gaben an, ihre Bank- bzw. Versicherungslizenzen auf den Atlantikinseln gelöst zu haben. Der Beratungsprofi: „Wir erhielten von der Banque Centrale des Comores ein Schreiben, das besagte, dass keine First Net Bank Inc. auf den Komoren existiert.“ Beunruhigt hatte den Finanzprofi zuvor schon ein Rundschreiben der renommierten Schweizer Helvetia Versicherung, die sich vehement von der Helvetia Group Ltd. distanzierte und ankündigte, rechtliche Schritte gegen die missbräuchliche Verwendung ihres
 
Namens ergreifen zu wollen. Das bestätigte auch die Rechtsabteilung der Schweizer Versicherung gegenüber FONDS profesionell in einem Schreiben: Wir haben die Vermittler von Produkten der Helvetia Insurance Group aufgefordert, Unterlassungserklärungen abzugeben. Gegen diejenigen, die sich nicht bereit zeigten, eine solche Unterlassungserklärung abzugeben, beantragen wir einstweilige Verfügungen.
Was Hindinger schließlich vollends davon überzeugte, dass First Net Finance kein potenzieller Geschäftspartner für ihn sein kann, war der Umstand, dass die Kreditzusagen an die Verpflichtung geknüpft wurden, eine Lebensversicherung abzuschließen, die als Tilgungsträger dienen sollte, wobei die erste Zahlung vorab zu erfolgen hatte. Hindinger: „Ich habe der Gesellschaft vorgeschlagen, die Versicherungsprämie über einen Treuhänder erst nach der Auszahlung des Kredits zu begleichen, davon wollte man aber nichts wissen. Später kam dann noch ein Schreiben, in dem mit der Begründung, es gäbe Überweisungsprobleme bei grenzüberschreitenden Transaktionen, verlangt wurde, die Versicherungsprämie per Scheck zu übermitteln.“

Die Bombe platzt
Mitte November war es dann so weit, dass ein Teil der involvierten Personen die ganze Geschichte platzen ließ. Alle Berater und Kunden, die sich interessiert gezeigt bzw. tatsächlich Geld überwiesen hatten, erhielten ein Schreiben, in dem stand: Sehr geehrte Kunden und Vertreter der Bankassurance, bedauerlicherweise müssen wir Ihnen mitteilen, dass die an die HELVETIA Group Ltd. in London überwiesenen bzw. per Scheck übersandten und teils eingelösten Erstprämien für die Besicherung der Kredite und Darlehen bei der FIRST NET BANK Inc. sämtlich nicht bei uns eingegangen sind.
Nach den uns vorliegenden Informationen wurden die Beträge von dem von uns eingesetzten Treuhänder und Verwalter bzw. Firmengründer Jürgen Behnisch respektive dessen Firma Company Service Ltd. sowie dessen Pseudo-Direktor und Vertrauten Carlos Ramirez einbehalten bzw. auf andere von diesen Herren verwaltete Konten überwiesen und damit unterschlagen. Um die Schadensbegrenzung Ihrerseits so gering wie möglich zu halten, empfehlen wir Ihnen, sofort bei diesen Herren energisch vorzusprechen. Die ebenfalls von diesen Herren auf unseren Namen erstellten Versicherungsbestätigungen und Versicherungspolicen haben keine Gültigkeit und entbehren jeglicher Geschäftsgrundlage. Dementsprechende straf- und zivilrechtliche Schritte wurden bereits von uns veranlasst und eingeleitet. Auf Grund dieses Straftatbestandes hat uns die FIRST NET BANK Inc. mitgeteilt, das alle mit der von Helvetia Group Ltd. respektive Behnisch und Ramirez besicherten Kredit- und Darlehensverträge aufgekündigt sind. Die Fristen zur Beibringung der benötigten Sicherheiten sind verstrichen. Alle anstehenden Kapitalauszahlungen sind somit bis zur Klärung der Angelegenheit gestoppt. Die Verträge mit den Vertriebsfirmen in London sind fristlos aufgekündigt. Die Vermarktung der Produkte wird nach Klärung der Angelegenheit in eigener Regie durchgeführt. Selbstverständlich wird Ihnen zeitnah ein Vertragspartner angedient werden.

Berater hintergangen
Das, was viele Marktteilnehmer zu Recht befürchtet hatten, nämlich, dass es sich bei der Geschichte um eine simple „Vorkostenabzocke“ handelt, war damit offiziell. Wer vorsichtig war, dem ist in der Regel nichts passiert. Allerdings gibt es keine Regel ohne Ausnahme, und in diesem Fall ist diese für alle Berater beachtenswert, denn sie zeigt eine Falle auf, an die viele vermutlich nicht denken. So beschreibt etwa in dem erwähnten Internetforum gomopa.net ein Berater einen Fall, der zeigt, dass man als Vermittler sogar dann ein Problem bekommen kann, wenn man sich vorsichtig und korrekt verhält: ... Wir haben allen unsere Kunden davon abgeraten, die Gebühren, Prämien oder auch Vorkasse der FNF zu überweisen. Dies haben wir auch schriftlich jedem Kunden mitgeteilt. Nun habe ich am Samstag einen Anruf von einem verärgerten Kunden erhalten. Er teilte mir mit, dass er mich auf Schadenersatz verklagen werde, und knallte den Hörer auf. Ich habe mich sofort ins Auto gesetzt, um die Sache zu klären, und dabei stellte sich Folgendes heraus: Am 14. 10. 2003 erschien unangemeldet ein Herr bei meinem Kunden, stellte sich als Mitarbeiter der First Net Finance vor und zeigte meinem Kunden einen „Zettel“, auf dem Halifax Bank stand und auch noch einige Namen, Zahlen und mehrfach das Wort „loan“. Der Betrag hinter seinem Namen war genau die Summe, die er damals bei mir beantragt hatte. Der Mitarbeiter, der die Karte, die er übergeben hatte, wohl klammheimlich wieder eingesteckt hatte  – daher kann ich auch keinen, wenn vielleicht auch „fiktiven“ Namen nennen –, sagte meinem Kunden, dass sein beantragtes Darlehen nunmehr in London bereit läge und er es, obwohl er die Deadline habe verstreichen lassen, sein Darlehen bekommen würde, da es sich bei uns um einen loyalen Vertriebspartner handeln würde. Er müsse ihm nur einen Scheck mitgeben. Da es sich bei dem Kunden nicht um einen bonitätsschwachen Problemfall handelte, besorgte sich dieser sich sofort einen bankbestätigten Scheck und übergab ihn dem „Mitarbeiter“. Am Freitag hatte er immer noch nichts gehört und dann bei der Halifax Bank angerufen. Dort wusste niemand etwas von Transferkonten und bereitliegendem Geld. Da der „Mitarbeiter“ immer auf meine Kundenbeziehung hingewiesen hatte, war meine Kunde der festen Überzeugung, dass das ganze Übel von mir ausging. Es stellt sich nun die Frage, ob es sich um einen Trittbrettfahrer handelte oder um die nächste Form der Machenschaften der Herrn von der FNF.
Die Geschichte zeigt, wie heikel die Weitergabe von Kundendaten sein kann und legt nahe, bei allen Geschäftsfällen, bei denen man es nicht mit über jeden Zeifel erhabenen Unternehmen zu tun hat, auch jeden Kunden davor zu warnen, ohne Rückfrage Bargeld oder Schecks an irgendjemanden zu übergeben.

www.infibo.de
Denn man muss davon ausgehen, dass der Kredit- und Anlagebetrug auch nach FNF nicht ausgestorben ist: Tatsächlich wird im Internetforum von Goldman Morgenstern & Partners bereits der nächste Fall diskutiert. Denn auf der Internetseite www.infibo.de bietet eine Netros GmbH mit Sitz in München (HRB Nr. 146496) vergleichsweise günstige Finanzierungen in Euro und Fremdwährungen an, wobei die Gesellschaft behauptet, für jeden Kreditkunden die „richtige“ Bank zu finden. Auffällig ist dabei, dass die Gesellschaft als Kontaktmöglichkeit nur E-Mail und Fax, aber keine Telefonnummern angibt, auch über die Hintergründe des Unternehmens, Erfahrungen im Finanzierungsbereich, Referenzen etc. liefert die Homepage keinerlei Aufschluss. Dafür wird für den Fall, dass eine Finanzierungszusage durch eine Bank vorliegt, die Hälfte der 1,5-prozentigen Vermittlungsprovision fällig. Da infibo.de aber nur Kredite ab 1,5 Millionen Euro Volumen anbietet, wären das im Minimalfall 11.250 Euro. Dass man die wiedersieht, falls die Finanzierung doch nicht zustande kommt, wird zumindest von den Diskutanten in gomopa.net ernsthaft bezweifelt. 

Quelle: FONDS professionell
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