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Marc Faber im Interview: „Dollar wird eine wertlose Währung“

28.09.2005
/upload/attach/Marc Faber

FONDS professionell sprach mit Investmentspezialist und Fondsmanagement-Berater Marc Faber über die aktuelle Situation an den Kapitalmärkten, und erneut verblüfft der Marktstratege mit sehr exponierten Aussagen.

Manchen gilt er als Untergangsprophet, andere bewundern ihn als kreativen und originellen Denker der Finanzwelt. Im Interview mit FONDS professionell erklärt Marc Faber nicht nur, warum er keine US-Wertpapiere kauft. Auch seinen extremen Pessimismus gegenüber der amerikanischen Währung erläutert der mehrfache Buchautor.

Herr Faber, woher stammt Ihr Pessimismus gegenüber US-Wertpapieren und gegenüber dem US-Dollar?
Aus meiner Sicht ist der US-Dollar auf dem besten Weg, zu einer wertlosen Währung zu verkommen. Schuld daran ist vor allem anderen die US-Notenbank, die seit ihrer Einführung im Jahr 1913 die Kaufkraft des Dollars immer weiter geschwächt hat. Diese Entwicklung wird momentan sogar noch beschleunigt durch einen vollkommenen Banausen wie US-Präsident Bush, der weder etwas von Geschichte noch von Wirtschaft und schon gar nicht von Geldpolitik versteht.

Aber die US-Notenbank hat schon vor rund einem Jahr begonnen, die Kurzfristzinsen auf ein Niveau von aktuell 3,5 Prozent anzuheben?
Natürlich haben wir eine Geldverknappung in den USA gesehen, aber das reicht nicht. Mit 3,5 Prozent liegen die kurzfristigen Zinsen immer noch unter dem nominalen Wachstum des Bruttosozialprodukts, und eine offiziell verkündete Inflationsrate von 2,9 Prozent entspricht auch nicht der Realität, die Statistiken werden doch regelrecht gefälscht.

Was meinen Sie damit?
Betrachten Sie nur die Ausgaben privater Haushalte im Gesundheitssektor. Deren tatsächlicher Anteil an den Gesamtausgaben der Haushalte beträgt mittlerweile über 16 Prozent, im Konsumentenpreisindex CPI sind diese Aufwendungen aber nur mit sechs Prozent gewichtet. Und die offiziellen US-Statistiken gehen immer noch von einem jährlichen Wachstum der Gesundheitsausgaben von vier Prozent aus. Aus den Studien von unabhängigen privaten Instituten wissen wir aber, dass die Steigerungsrate in Wahrheit bei rund zehn Prozent pro Jahr liegt. Dementsprechend müsste die Preissteigerungsrate eher bei fünf Prozent angesetzt werden.

Bedeutet das Finger weg von amerikanischen Aktien und Bonds?
Meiner Ansicht nach gehört eine 30-jährige amerikanische Staatsanleihe bei einer Rendite von aktuell 4,5 Prozent zu den unattraktivsten Anlagemöglichkeiten, die man weltweit finden kann. Nicht auf Sicht von drei oder sechs Monaten, aber längerfristig schon. Sie müssten ein unglaublicher Optimist sein, um anzunehmen, dass die Inflationsrate in Amerika innerhalb der nächsten 30 Jahre nie über vier Prozent steigen wird und gleichzeitig der Wert des Dollars erhalten bleibt.

Und die Aktienseite?
Natürlich kann der Dow Jones Index sich auf 20.000 Punkte verdoppeln, wenn aber gleichzeitig der Dollar um 90 Prozent fällt, haben Sie real Verluste erlitten.

Japans Aktien werden derzeit als große Auferstehungsstory gehandelt. Wie sieht Ihre Prognose hier aus?
In den nächsten fünf Jahren wird sich Japan meiner Einschätzung nach gegenüber dem Dow Jones oder dem S&P 500 relativ gut halten. Das heißt aber nicht, dass japanische Aktien sehr stark steigen werden. Dennoch: Wenn Sie mich fragen, was ich einem Anleger empfehlen würde, der unbedingt Aktien haben möchte, dann würde ich eher in Asien kaufen, aber nicht in Amerika oder Europa.

Ist der jüngste Rückgang der Fernost- Märkte kein Warnsignal?
Ich habe schon vor gut zwölf Monaten gesagt, dass in diesem Jahr mit Aktien nicht viel zu verdienen sein wird. Und wenn Sie sich die US-Börse anschauen, dann befinden wir uns heute noch immer auf einem Niveau wie zu Jahresbeginn. Und auch in Asien wird es schwer werden, bis Ende des Jahres noch Geld zu verdienen, denn das Geldmengenwachstum in Asien ist auch sehr stark zurückgekommen und die dortigen Wirtschaften haben sich verlangsamt. Für Chinas Wirtschaft erwarte ich, dass wir im kommenden, eventuell schon in diesem Jahr in gewissen Sektoren ein Hard Landing sehen werden. Auch die Bewertungen sind hier nicht mehr extrem günstig – jedoch immer noch billiger als in den USA und Europa.

Welche Bedeutung hat die chinesische Währung? Der Yuan wurde Ende Juli nicht nur um 2,1 Prozent zum US-Dollar aufgewertet, auch die Koppelung an die US-Währung wurde aufgegeben.
Auf lange Sicht werden die asiatischen Währungen gegenüber dem US-Dollar sicher deutlich zulegen. Auf kurze Sicht aber rechne ich eher mit einer schwachen Entwicklung des Yuan gegenüber der US-Währung – zumal sich das als Stütze für den Aktienmarkt erweisen würde.

Kommen wir in diesem Zusammenhang zurück auf die von Ihnen angesprochene Schwäche des US-Dollars. Die Frage ist doch: Dollarschwäche gegen was?
Wenn gleichzeitig alle anderen Zentralbanken wie verrückt Geld drucken, wird die Schwäche nicht gegenüber einer anderen Papierwährung wie etwa dem Euro auftreten. In einem solchen Szenario verlieren alle Währungen gegenüber anderen Assets wie etwa Gold oder Silber. Man braucht sich in diesem Zusammenhang doch nur den seit Jahren anhaltenden enormen Wertrückgang des US-Dollars, aber auch anderer Währungen gegenüber Rohstoffen wie Öl vor Augen zu führen, um abzuschätzen, wohin die Entwicklung geht. Oder nehmen Sie die Edelmetalle. Bitte missverstehen Sie mich nicht: Ich bin wahrlich kein glühender Anhänger von Gold, wahrscheinlich gibt es bessere Anlagemöglichkeiten, aber der Privatanleger hat nun einmal nicht die Möglichkeit, eine Tonne Uranium in seiner Küche zu lagern. Deshalb ist es möglicherweise besser, auf Goldmünzen oder Goldbarren zu setzen.

Wo liegen denn andere Investmentchancen, von denen Sie eben sprachen?
Das ist zum Beispiel die Anlage in Immobilien. Sogar in Deutschland sind derzeit viele Immobilien im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, insbesondere Großbritannien, niedrig bewertet. In Berlin beispielsweise können Sie Luxuswohnungen zu einem Viertel des Preises von vergleichbaren Objekten in Zürich kaufen.

Sie weisen schon länger darauf hin, dass sich ein Immobilieninvestment in Asien und Osteuropa lohnen könnte …
Im Vergleich zu London, Frankfurt oder auch Zürich und New York sind die Immobilienpreise in Ländern wie Indien, Vietnam, aber auch Thailand, Indonesien oder Singapur günstig. Auch in vielen Ländern Osteuropas sehe ich nach wie vor gute Chancen, allein schon weil sich die dortigen Immobilienpreise dem westeuropäischen Niveau annähern werden. Für deutsche Anleger aber stellt sich das Problem, dass er in diese Immobilienmärkte eben nicht so einfach investieren kann. Mit solchen Märkten muss man sich schon intensiv beschäftigen, an besten vor Ort sein oder zumindest einen lokalen Partner haben, der die Märkte gut kennt und auf den man sich verlassen kann.

Sie haben das Thema Öl schon angesprochen. Ist ein Investment in Öl so etwas wie ein „Free Lunch“ für Anleger?
Die Nachfrage nach Öl wird wegen des enormen Nachfragewachstums aus Asien weiter deutlich steigen. Asiens Ölkonsum wird sich in den nächsten zehn bis zwölf Jahren nahezu verdoppeln. Daraus aber den Schluss zu ziehen, Öl-Investments seien risikolos, wäre mit Sicherheit falsch. Wer als Anleger davon ausgeht, dass sich ein Markt ohne Korrektur immer nur in eine Richtung bewegt, irrt – es wird auch beim Öl Rückschläge geben.

Worin sehen Sie die Risiken?
Zum einen hat die extrem expansive Geldpolitik von Alan Greenspan in allen Vermögenswerten und Preisen zu Spekulation geführt. Allein aus dieser Tatsache heraus kann ich mir vorstellen, dass ein Gutteil des aktuellen Ölpreises reine Spekulation ist.

Bis wohin kann der Ölpreis sinken?
Angenommen, wir erleben innerhalb der nächsten sechs bis neun Monate ein Hard Landing der chinesischen Wirtschaft und eine Rezession in den USA, dann kann ich ein Preisniveau von 45 oder gar 40 US-Dollar nicht ausschließen. Denken Sie zurück an das Jahr 1987, als der Ölpreis zwischen August und Oktober um 40 Prozent fiel, obwohl wir uns nach wie vor in einem Bullenmarkt befanden. Wie gesagt, das ist ein kurzfristiges Szenario. Auf lange Sicht wird Energie einer gewaltigen Verknappung unterworfen sein. Und darin wiederum liegt eine ganz andere Gefahr, die man nicht unterschätzen sollte. Die Verknappung von Energie wird unweigerlich dazu führen, dass die Spannungen zwischen Amerika auf der einen und Asien sowie dem Nahen Osten auf der anderen Seite deutlich zunehmen werden. Da kann ich nicht einmal ausschließen, dass es zu einem Dritten Weltkrieg kommen wird. Ich kann natürlich auch nicht vorhersagen, wohin der Ölpreis in einem solchen Szenario klettern würde. Aber wenn die Menschen Benzin für ihr Auto benötigen, dann werden sie eher auf Coca-Cola verzichten und das Vierfache für Benzin zahlen.

Ein dritter Weltkrieg ist allerdings ein äußerst düsteres Szenario ...
Das wird nicht in naher Zukunft eintreffen, aber betrachten Sie die internationale politische und wirtschaftliche Konstellation doch einmal genauer. Fest steht, dass China, Indine und der Rest Asiens in den kommenden Jahren deutlich mehr Öl benötigen werden. Gleichzeitig versuchen die USA mit einer vollkommen verfehlten Außenpolitik, die gesamten Ölvorräte in Nahost zu kontrollieren. Hinzu kommt, dass der Iran auf dem Weg ist, sich Atomwaffen zu beschaffen, was noch nicht einmal verwundern kann. Wenn ein solches Land von Amerika bedroht wird, will es zumindest in der Lage sein, sich zu verteidigen. Ich glaube zwar nicht, dass die USA nach den Erfahrungen im Irak den Versuch einer Invasion im Iran starten werden, aber sie könnten die iranischen Anlagen zur Urananreicherung bombardieren. Das wiederum würde den Chinesen überhaupt nicht gefallen, denn China hat immerhin eine tausende Kilometer lange Grenze mit den Staaten in Zentralasien. Das bestätigen so genannte Kriegszyklen-Theorien, die besagen, dass – immer wenn die Rohstoffpreise steigen – die Gefahr internationaler Spannungen wächst.

Wir danken für das Gespräch.

Quelle: FONDS professionell
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