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Analyse der Woche: USA – Obama-Sieg bedeutet striktere Finanzmarktregulierung

31.10.2008

Nachdem John McCain Sarah Palin zu seiner Vizekandidatin erklärt hatte, erreichte seine Popularität neue Höhen. Dennoch zeigten die Abstimmungen weiterhin hervorragende Resultate für die Demokraten in beiden Häusern des amerikanischen Kongresses. Letzte Befragungen zeigten auch wieder eine Entwicklung zugunsten von Barack Obama im Präsidentschaftswahlkampf.

Die sogenannten Oktober-Überraschungen sind charakteristisch für US-Wahlen, man vergleiche die aktuellen Ereignisse mit dem Duell von 1980 zwischen Carter und Reagan. Wer sich in diesem Wahlkampf bereits zum jetzigen Zeitpunkt auf einen von beiden Kandidaten festlegt, betreibt ein gefährliches Spiel.

 

„Vor dem Hintergrund, dass beide Parteien einen allgemeinen Druck auf das Geschäftsleben und die Wirtschaft ausüben, können wir gewisse Annahmen treffen, inwiefern die Wahlresultate die verschiedenen Wirtschaftssektoren vom Investment Standpunkt aus beeinflussen werden, schreibt Cormac Weldon, Head of US Equities bei Threadneedle, in seinem aktuellen Marktkommentar. Nachfolgend der Originaltext:

 

Dies ist eine besonders wichtige Wahl, da sie zur Zeit der Kreditkrise und der Übernahme der wichtigsten Finanzinstitute durch das US- Finanzministerium stattfindet. Das ist der größte Machtgewinn der Regierung über das Finanzsystem seit der großen Depression. Und es steht fest - unabhängig davon, welcher Kandidat schlussendlich gewinnt. Da die Demokraten bereits in beiden Häusern über Mehrheiten verfügen, können wir im Kongress bereits jetzt erste Eindrücke über zukünftige Entwicklungen gewinnen. Der Antrag des Vorsitzenden des House Financial Services Committee, Barney Frank, ein neues Bundesamt zu gründen würde zum Beispiel zunehmende Unterstützung finden. Dieses neue Bundesamt soll die Pläne für das Rettungspaket der Regierung beaufsichtigen, der Plan sieht vor, dass Risikokredite von privaten Banken aufgekauft werden.

 

Sollten die Demokraten ihre Macht in der Gesetzgebung und im Weißen Haus weiter ausbauen können, erwarten wir, dass die Aufsicht und die Regulierung der Finanzindustrie erhöht werden. Dies kann etwa erwartet werden im Bereich der derivativen- und   strukturierten Finanzprodukte, wie etwa Mortgage Backed Securities. Diese Finanzprodukte waren auch der Kern der ursprünglichen Finanzkrise, die im Sommer des Jahres 2007 begann.

 

Für Hedgefonds und Private Equity Gesellschaften werden wahrscheinlich ähnliche Regeln aufgesetzt, wie sie bei Geschäftsbanken bereits angewendet wurden. Aufgrund des Debakels rund um den Zusammenbruch des Subprime-Hypotheken Markts, würde auch ein Sieg der Republikaner an einer strengeren Regulierung nicht viel ändern. Allerdings würden die Republikaner wahrscheinlich flexiblere Regelungen durchsetzen.

 

Wie auch immer, es kann nicht für alle Sektoren behauptet werden, dass ein republikanischer Sieg einem Gewinn der Demokraten vorzuziehen wäre. Mögliche Auswirkungen der Ergebnisse sind zu vielfältig und fein.

 

Innerhalb der Finanzwelt zum Beispiel, würde die Lebensversicherungsbranche von einem Sieg der Demokraten profitieren. Es würde das Ziel der Republikaner stoppen, die Erbschaftssteuer abzuschaffen und somit die Nachfrage nach bestimmten Lebensversicherungspolicen eliminieren würde.

 

Nachfolgend listen wir mögliche Auswirkungen auf verschiedene Sektoren auf, welche von den Resultaten der US Wahlen beeinflusst werden könnten:

 

Energieversorgung: Ein republikanischer Sieg würde vermutlich für diesen Sektor vorteilhafter sein, da   die Republikaner weniger Regelung zum Klimaschutz einführen würden und im Allgemeinen eher Pro-Energieindustrie eingestellt sind. Es wird erwartet, dass sie eine Gesetzgebung anstreben werden, welche die Kohle- und Mineralölindustrie vorteilhafter behandeln.

Die Republikaner neigen auch eher zu vermehrter Entwicklung von Atomenergie als die Demokraten, obwohl es wesentlich weniger Übereinstimmung innerhalb der Partei zu diesem Punkt gibt.

 

Gesundheitswesen/Medizin: Hier gibt es verschiedene Teilbereiche, die in unterschiedlicher Art und Weise vom Ausgang der Wahlen beeinflusst werden könnten. Ein republikanischer Sieg wäre vorteilhafter für die Bereiche der pharmazeutischen Produkte, der medizinischen Geräte und der medizinische Versorgung (HMOs). Im Pharmabereich wären die Republikaner zugänglicher im Bezug auf den Schutz von Patenten und höheren Einfuhrbestimmungen für Medikamente.

Von einem demokratischen Sieg würden wahrscheinlich kleinere Biotech-Firmen profitieren, bei denen die Demokraten die Zulassungsprozesse beschleunigen. Auch favorisieren die Demokraten einen stärkeren Einsatz von generischen Arzneimitteln wegen der viel niedrigeren Preise. Krankenhäuser und Pflegeheime würden sehr wahrscheinlich auch einen großen Nutzen aus einem demokratischen Sieg ziehen, da ihre Pläne zur Universalabdeckung die mögliche Anzahl der Patienten steigen würde.

 

Konsumenten: Dies ist ein weiterer Bereich mit vielen Subsektoren. Der Getränke- und Nahrungsmittelhandel sowie das Gastronomiegewerbe würden wahrscheinlich geschädigt werden durch neue Immigrationsbestimmungen und verstärkte Kontrollmaßnahmen in diesem Bereich, die von den Republikanern favorisiert werden. Im Gegenzug würde die Tabakindustrie unter den Demokraten weniger gut dastehen, da diese eine höhere Besteuerung und mehr Richtlinien anstreben.

 

Industrie/Materialien: Innerhalb der Subsektoren würde das Baugewerbe von einer demokratischen Regierung profitieren, da diese Partei die Wirtschaft mit Infrastrukturprojekten ankurbeln will.

 

Fluglinien hingegen dürften von einem republikanischen Sieg profitieren, da die republikanische Partei weniger Regelungen anstrebt und einer Konsolidierung der Branche offen gegenüber steht.

 

Die Bereiche Luft- und Raumfahrt, sowie Verteidigungsschutz würden wie erwartet unter den Republikanern einen Auftrieb erfahren und vermutlich ausgebaut werden.

 

Informationstechnologie: Dieser Bereich ist nicht eindeutig zuzuordnen, da einerseits die Republikaner, in Sachen Outsourcing eher zugänglich sind. Andererseits würden unter den Demokraten Regierungsmittel für großflächige IT Projekte vom Kongress einfacher verabschiedet werden.

 

Dies sind nur einige wenige Hauptindustrien, deren Zukunft und Erfolg von der unterschiedlichen Politik und Philosophie der zwei politischen Parteien in den USA beeinflusst werden könnten. Dies veranschaulicht einmal mehr, welche Auswirkungen ein politischer Machtwechsel auf künftige wirtschaftliche Entwicklungen haben kann.

Quelle: FONDS professionell
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