Die Abschlusszahlen fallen seit Jahren, immer wieder werden Stimmen laut, die den Gesetzgeber zu einer Reform auffordern – trotzdem: Volker Priebe, Produktvorstand der Allianz Leben in Stuttgart, hält die anhaltende Kritik an der Riester-Rente nicht in allen Punkten für gerechtfertigt. "Die 16 Millionen Riester-Verträge, die wir inzwischen in Deutschland haben, sind eine bedeutende Zahl", erklärte er in einem Interview mit dem "Handelsblatt".

Mit Riester-Produkten erreiche man auch Bürger, die ansonsten gar nicht sparen würden. Schließlich zeigten die Zahlen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, dass 40 Prozent der Zulagenberechtigten weniger als 20.000 Euro im Jahr verdienen. "Klar ist aber auch, dass die Verwaltung, insbesondere die Zulagenabwicklung, optimiert werden könnte", sagte Priebe.

Keine Konkurrenz
In den staatlich geförderten Produkten für die Altersvorsorge sowie in der Betriebsrente sieht er keine Konkurrenz zur klassischen Lebensversicherung. "Positiv ist doch, dass der Staat die private und die betriebliche Altersvorsorge fördert", so der Allianz-Topmanager. Da sich die Angebote unterscheiden, komme es letztlich aber stark auf die Beratung an.

Die klassische Lebensversicherung verliere angesichts eines Garantiezins von mittlerweile nur noch 0,9 Prozent aber zunehmend an Bedeutung, ist Priebe bewusst. "Wir weisen seit Jahren verstärkt darauf hin, dass langlaufende Garantien beim klassischen Produkt zulasten der Rendite gehen", erklärte er. Kunden wählten solche Verträge denn auch immer seltener.

Klassische Lebensversicherung nicht mehr erste Wahl
Die Allianz Leben biete daher mittlerweile Altersvorsorgekonzepte mit neuen Garantien an. Solche Verträge machten im Neugeschäft mit Privatkunden inzwischen 90 Prozent aus. "Im Vergleich zu diesen Konzepten ist die klassische Lebensversicherung nicht mehr erste Wahl", sagte Priebe.

Um trotz Nullzinspolitik attraktive Renditen für ihre Kunden zu erzielen, investiere die Allianz Leben auch direkt in alternative Anlagen wie Infrastruktur, gewerbliche Immobilien oder erneuerbare Energien. Derzeit seien rund zwei Milliarden Euro allein in Wind- und Solarparks angelegt, in alternative Anlagen insgesamt 44 Milliarden Euro. "Das ist gut ein Sechstel unseres Sicherungsvermögens von 240 Milliarden Euro", sagte Priebe. (am)