Frauen beziehen in Deutschland im Alter rund 40 Prozent weniger gesetzliche Rente als Männer, gibt das Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung an. Jede dritte Rentnerin kommt nicht einmal auf 500 Euro gesetzliche Rente im Monat. Zu den Details gibt eine Umfrage des Lebensversicherers Canada Life unter 1.000 Müttern im Alter von 34 bis 46 Jahren Auskunft.

Die befragten Frauen sind sich der möglichen Altersarmut voll bewusst: 81 Prozent fürchten, durch Erziehungszeiten und Teilzeitarbeit im Alter finanziell abgehängt zu werden. Und das, obwohl mehr als drei Viertel von ihnen berufstätig sind, fast 32 Prozent in Vollzeit. Mehr als die Hälfte gab an, auch deswegen zu arbeiten, um im Alter nicht arm zu sein. 80 Prozent tun es, um zum Haushaltseinkommen beizutragen (Mehrfachnennungen erlaubt).

Mütter mit Partnern: Die Hälfte sorgt im Doppelpack vor
Trotz der Angst vor Altersarmut ist eine eigenständige Altersvorsorge bei Müttern noch nicht weit verbreitet. Zwar leben 85 Prozent mit einem Partner zusammen, doch nur 48 Prozent dieser Mütter organisiert die Altersvorsorge gemeinschaftlich mit ihm. 24 Prozent der in Partnerschaft lebenden Frauen nimmt die Vorsorge selbst in die Hand, während sich 6,5 Prozent bei der Altersvorsorge ganz auf den Partner verlassen. Von denen, die trotz Partnerschaft noch nichts gegen die Versorgungslücke unternehmen (20 Prozent), tun dies 41 Prozent noch nicht, weil das Geld fehlt. Weitere 32 Prozent geben an, bereits abgesichert zu sein.  

Bei alleinerziehenden Frauen hat etwa ein Drittel in Eigenregie finanziell für das Alter vorgesorgt. 68 Prozent der Befragten, die höchstens 46 Jahre alt sind, haben aber bislang noch keine Vorkehrungen für die Altersvorsorge getroffen. "Die Lebens- und Familiensituation von Müttern hat großen Einfluss auf ihr Vorsorgeverhalten", erklärt Markus Drews, Hauptbevollmächtigter der Canada Life. "Aber es gibt eine Gemeinsamkeit: Fast alle haben großen Respekt vor der möglichen Altersarmut." Informationen zur Vorbeugung bietet Canada Life auf einem neuen Themenportal namens "Meine Zukunft und ich" speziell für diese Frauen.

Nicht in Panik verfallen, sondern nüchterne Rechnung aufmachen
Vor allem sollten die Frauen sich nicht verrückt machen lassen. Wer in gutem Kontakt zum Kindsvater lebt, kann auf Kindes- und übergangsweise Ehegattenunterhalt vertrauen, im Notfall gibt es Unterhaltsvorschuss vom Staat. Bei Scheidung sorgt der Versorgungsausgleich dafür, dass die Rentenansprüche der bisherigen Ehegatten geteilt werden. Mütter erhalten bei der Berechnung der Altersrente Kindererziehungs- und Kinderberücksichtigungszeiten angerechnet. Bei Tod des Ehepartners gibt es Witwenrente.

Neu ab 2019 ist die "Mütterrente II": Alle Mütter und Väter bekommen für vor 1992 geborene Kinder pro Kind bis zu ein halbes Jahr Erziehungszeit zusätzlich bei der Rente angerechnet. Dies entspricht bis zu einem halben Rentenpunkt zusätzlich. Pro Kind sind bis zu 30 Monate Kindererziehungszeit möglich, das entspricht bis zu zweieinhalb Rentenpunkten.

Ohne zusätzliche Altersversorgung, etwa über die Firma oder privat, wird es im Alter finanziell womöglich eng. Canada Life bietet auf dem neuen Themenportal deshalb einen Wegweiser speziell für Frauen, der sie dabei unterstützen soll, sinnvoll eigene Vorsorge zu betreiben.

Was die Rentenversicherung an Leistungen parat hat
Wie der "Rentenatlas 2018" der Deutschen Rentenversicherung Bund ausweist, bekamen Altersrentner im Bestand 2017 im Schnitt 919 Euro Monatsrente ausgezahlt – nach Abzug von Kranken und Pflegebeitrag, aber vor Steuern. Frauen bekamen demnach im Schnitt 705 Euro. Das entspricht nur 59,2 Prozent des Männer-Betrages von 1.191 Euro. Die Werte der Frauen schwanken regional zwischen 532 Euro im Saarland und 1.026 Euro in Berlin-Ost.

Hinzu kommen gegebenenfalls Erwerbsminderungsrenten, wenn man aus gesundheitlichen Gründen weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann. Im Schnitt gibt es da 716 Euro Zahlbeitrag. Bei der Berechnung wird so getan, als hätte der Betroffene bis zum 62. Lebensjahr weitergearbeitet – ab 2018 bis 2024 steigend auf Anrechnung bis zum 65. Lebensjahr.

Wegen der steigenden Lebenserwartung hat sich auch die Zeit des Rentenbezugs verlängert. Bekamen Frauen 2007 im Schnitt 19,9 Jahre Altersrente (Männer: 15 Jahre), so stieg die Rentenbezugsdauer für Frauen 2017 auf 21,8 Jahre (Männer: 17,9 Jahre). Erstmals Altersrente bekommen Frauen im Schnitt mit 64 Jahren (Männer: 64,1 Jahre). Vor 20 Jahren betrug das Renteneinstiegsalter von Frauen noch 62,2 Jahre (Männer 62,1 Jahre). (dpo)