Die Deutsche Bank baut ihr digitales Sortiment aus: Die größte deutsche Bank bietet Kunden ab dem Sommer Zugriff auf ein Online-Tool für den Abschluss und die Verwaltung von Sachversicherungen. Dabei kooperiert das Geldinstitut nach eigenen Angaben mit dem Online-Makler Friendsurance.

In einem Gespräch mit dem Handelsblatt erläutert Markus Pertlwieser, Digitalchef des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank, dass sein Haus Kunden nicht einfach an Friendsurance weiterleitet. "Wir bauen einen eigenen digitalen Sachversicherungsmakler auf", sagte er der Zeitung. Daher muss man von einer erweiterten White-Label-Lösung ausgehen, auf der das Logo der Bank prangt, während die Prozesse im Hintergrund von dem Berliner Insurtech stammen.

Doppelter Nutzen
Mit diesem Schritt möchte die Bank dem Anschein nach zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen kann sie eine weitere Dienstleistung online anbieten und damit das immer wachsende Lager derjenigen ansprechen, die Finanz- und Versicherungsprodukte online und ohne einen Berater aus Fleisch und Blut abschließen wollen. "Wir wollen die digitale Hausbank unserer Kunden sein. Viele von ihnen wünschen sich eine verlässliche Plattform, auf der sie ihre Finanzen intelligent an einer Stelle bündeln und Leistungen auch jenseits des klassischen Bankgeschäfts bekommen können. Die Digitalisierung schafft hierfür die technischen Voraussetzungen", sagt Pertlwieser laut einer Pressemitteilung.

Zum anderen ist der Einstieg in die Policen-Vermittlung finanziell lukrativ in Zeiten niedriger Zinsen und entsprechend schrumpfender Margen im klassischen Bankgeschäft. Daher hat sich die Bank laut Handelsblatt auch dazu entschlossen, selbst als Makler zu fungieren: Auf diese Weise erhält sie nicht nur die einmaligen Vertriebsprovision, sie kann auch die jährlichen Bestandsprovisionen vereinnahmen – die gerade bei Sachpolicen mit ihren niedrigen Abschlusscourtagen sehr interessant sind.

Zweistellige Millioneneinnahmen
"Ich rechne damit, dass sich dadurch Gebühren im zweistelligen Millionenbereich verdienen lassen", sagt Pertlwieser dem Handelsblatt. Das sei keine Sache von sechs Monaten, es brauche aber auch keine fünf Jahre dazu – selbst wenn Friendsurance einen Teil des Kuchens abbekommt. Im Lebensbereich, bei dem Online-Abschlüsse nur sehr selten vorkommen, bleibt es aber bei der Kooperation mit der Zurich Deutschland, deren Policen in Filialen vertrieben werden.

Für das Insurtech ist die Kooperation ebenfalls interessant: Der Onlinemakler, der nach dem sogenannten Peer-to-peer-Prinzip arbeitet (Erläuterung hier), bekommt auf diese Weise ohne kostspielige Marketingausgaben viele neue Kunden. Bislang kommt das Versicherungs-Start-up laut Handelsblatt auf über 100.000 Kunden. "Durch die Kooperation steigern wir die Zufriedenheit und die Bindung bestehender Bankkunden. Zudem schaffen wir Zugang zu neuen, online-affinen Zielgruppen", erklärt Tim Kunde, Geschäftsführer und Mitgründer von Friendsurance in der gemeinsamen Pressemitteilung. Aus diesem Grund suchen auch andere digitale Makler die Zusammenarbeit mit Direktbanken (FONDS professionell ONLINE berichtete ausführlich).

Versicherungsmanager
Das Angebot von Deutscher Bank und Frienurance beschränkt sich aber nicht nur auf die Abschluss und die Bestandspflege von Policen. Das Insurtech hat wie einige Mitbewerber – darunter Clark oder Knip – einen "Versicherungsmanager" entwickelt. Dieser soll den Kunden alle ihre Sachversicherungen und wesentlichen Informationen wie Kündigungsfristen, Leistungsmerkmale und Schadenshistorie auf einen Blick zeigen. Zudem können Versicherungen bequem online verwaltet, Verträge und Konditionen verglichen sowie bei Bedarf Versicherungspartner gewechselt und Neuverträge abgeschlossen werden – auch dafür fließen dann Provisionen. (jb)