Die Ergo liegt mit der Umsetzung ihrer Restrukturierungsvorhaben im Plan. Allerdings knirscht es an einigen Stellen, beispielsweise beim Stellenabbau. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) aus einem Gespräch mit Ergo-Vorstandschef Markus Rieß. Große Hoffnung setzt der ehemalige Allianz-Manager aber auf die neue Produktpalette.

Die Tochter des Rückversicherers Munich Re hat sich bekanntlich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Nach zwei Verlustjahren in Folge sollen 2017 wieder schwarze Zahlenerwirtschaftet werden. Dabei sollen eine Digitalisierungsoffensive sowie ein umfangreiches Sanierungsprogramm helfen: Insgesamt möchte Rieß 1.835 von 14.320 Vollzeitstellen streichen. Bislang seien über Abfindungs- oder Vorruhestandsregelungen mit den Arbeitnehmervertretern Einigungen zum Abbau von 1.200 Stellen erzielt worden, so die FAZ. Bis Ende des Jahres möchte der Ergo-Chef aber die Zielmarke vollständig erreichen. Betriebsbedingte Kündigungen schloss Rieß explizit daher nicht aus – obwohl er sie möglichst vermeiden möchte.

Am stärksten sind die Ausschließlichkeitsorganisationen vom Abbau betroffen, wo 1.300 Arbeitsplätze wegfallen sollen. In dem Gespräch gibt Rieß auch zu, dass es gerade bei der Restrukturierung und Zusammenführung der einst fünf Vertriebe in eine Organisationhakt. Gegenüber der FAZ räumt er ein, dass es zwar grundsätzlich laufe, hier und da würden aber "noch nicht alle im gleichen Takt rudern".

Interner Run Off und Cyber-Policen
Rieß berichtet weiter, dass ab dem 1. Januar 2018 in einem internen Run-Off 6,5 Millionen klassische Lebenspolicen von 1.000 Mitarbeitern abgewickelt werden. Davon verspricht sich der Ergo-Chef eine günstigere Verwaltung. Noch nicht spruchreif seien dagegen Pläne, sich auch als Run-Off-Plattform für die Bestände anderer Versicherer zu positionieren. Hier hapere es noch an der nötigen IT-Struktur.

Den Rückzug aus dem Geschäft mit den klassischen Policen verteidigt er mit dem Verweis auf die Schritte der Mitbewerber. Der gesamte Markt werde sich in diese Richtung entwickeln. "Die Welt hat sich geändert. Mit dem jetzigen Kapitalmarktzins lässt sich kein attraktives Garantieversprechen mehr abgeben", sagt der frühere Chef des Marktführers Allianz Deutschland.

Stattdessen setzt die Ergo auf fondsgebundene Policen und andere "kapitalmarktnahe" Finanzangebote. Große Erwartungen setzt Rieß auf den noch überschaubaren deutschen Markt für Cyber-Versicherungen, dem er eine exponentielle Entwicklung vorhersagt. (jb)