Versicherer mit Fondspolicen in ihrer Produktpalette müssen sich mit schöner Regelmäßigkeit Kritik gefallen lassen. Die Anbieter setzten für ihre Policen hauptsächlich auf große Publikumsfonds, kleinere Spezialitätenportfolios stünden nur selten zur Auswahl, heißt es in Studien immer wieder einmal. Ein weitererVorwurf: Die Häuser richteten ihr Augenmerk zu wenig auf Qualität. Und Fonds, deren Ratings sich dauerhaft verschlechtert haben, würden nicht ausgetauscht.

Wer bei Fondspolicenanbietern jedoch einen Blick in die Researchabteilungen tut, nach Selektionskriterien und -prozessen fragt, bemerkt: Viele Kritikpunkte, die die Fondsauswahl betreffen, bestätigen sich nicht. FONDS professionell ONLINE hat sich bei Matthias Reimer, Teamleiter Unit Linked Strategy im Investment Management Deutschland bei Zurich, erkundigt, wie der Auswahlprozess bei seinem Unternehmen läuft.


Herr Reimer, was sind die ersten Schritte bei der Selektion von Portfolios für Ihre Fondspolicen?

Matthias Reimer: Bei fondsgebundenen Vorsorgeprodukten sind Kontrolle und Bewertung der Fonds das A und O. Bei Zurich widmet sich dieser Aufgabe der Zurich-Fondsausschuss. Betrachtet und geprüft wird ein breites Fonds-Universum. Dabei achten wir sowohl auf die Qualität der Fondsgesellschaft als auch auf die der Portfolios. Bei der Vorselektion sind eine Mindesthistorie der Fonds und damit möglichst aussagekräftige, gute und von Zurich unabhängige Ratings wichtig.

Sind Größe und Handelbarkeit eines Fonds ein entscheidendes Kriterium im Auswahlprozess?

Reimer: Für uns ist die Handelbarkeit eine Grundvoraussetzung. Das Fondsvolumen sollte sich mindestens auf 50 Millionen Euro, besser 100 Millionen Euro belaufen. In der fondsgebundenen Versicherung stellen wir unseren Kunden sowohl Einzelfonds von renommierten Anbietern als auch gemanagte Depotmodelle zur Verfügung. Der Kunde kann sich sein Portfolio mit den Einzelfonds je nach Risikoneigung individuell zusammenstellen. Es ist unser oberstes Prinzip, eine attraktive und nachhaltige Fondspalette sicherzustellen.

Welche Rolle spielen kleine Spezialitätenfonds, sofern sie eine gute Performance aufweisen?

Reimer: Bei unseren fondsgebundenen Versicherungen keine.

Welche Kennziffern sind für die Auswahl der Fonds für Zurich besonders wichtig?

Reimer: Bei der Fondsauswahl spielt für Zurich beispielsweise die Rendite im Vergleich zur Benchmark eine wichtige Rolle. Ebenso interessieren wir uns sehr für die jeweilige Rendite im Vergleich zu anderen Fonds. Weiter sind Volatilität und das Morningstar-Rating wichtige Auswahlindikatoren. Die Betrachtungszeiträume sind ein Jahr, drei, fünf und zehn Jahre.

Bewerten Sie auch die Leistung der Fondsmanager?

Reimer: Wir haben regelmäßig Kontakt zu den Fondsmanagern der für uns relevanten Portfolios. Zur Leistungsbewertung finden Performance-Reviews statt.

Wie viele Experten beschäftigen sich bei Zurich mit der Auswahl von Fonds für Fondspolicen?

Reimer: Unser Research-Team in Deutschland umfasst rund zehn erfahrene Investmentexperten. Darüber hinaus profitieren wir von regelmäßigem Austausch und Wissenstransfer mit unseren Zurich-Kollegen aus zahlreichen internationalen Märkten. Der Zurich-Fondsausschuss setzt sich aus Vertretern aus Vertrieb, dem Bereich Finanzen/ Investment und dem Produktmanagement zusammen. Er tagt regelmäßig.

Und wie oft überprüfen Sie die Entwicklung der Fonds?

Reimer: Laufend: Die einzelnen Fonds der Palette werden mithilfe eines Rangfolge-Modells bewertet. In diesen Vergleich fließen wieder Kriterien wie die Rendite im Vergleich zu anderen Fonds, Bewertung im Morningstar-Rating und Volatilität ein. Erfüllen die Fonds unsere Erwartungen nicht, werden sie ausgetauscht. Bei einer Neuaufnahme bestimmter Fonds wird zunächst ein "Triple-A-Check“, also Attraktivitäts-, Anlage- und Altersvorsorgecheck, erstellt. Bei positiver Prüfung erfolgt eine Aufnahme in die bestehende Fondspalette.

Informieren Sie die Berater oder die Kunden darüber, wenn Fonds ausgetauscht werden?

Reimer: Es ist uns sehr daran gelegen, regelmäßig über Änderungen zu informieren. Der aktuelle Rhythmus ist vierteljährlich. Die wesentlichen Ergebnisse zu den Fondsänderungen stellen wir in den Berichten "FV aktuell“ und "FV aktuell Spezial“ zur Verfügung. Diese informieren zum Beispiel über Hintergründe von Neuaufnahmen. Die Unterlagen können im Beratungsgespräch eingesetzt werden.

Vielen Dank für das Gespräch. (am)


Einen vollständigen Bericht darüber, wie Versicherer Portfolios für ihre Fondspolicen auswählen, lesen Sie in der Heftausgabe 2/2017 von FONDS professionell, die Ende Mai erschienen ist. Angemeldete KLUB-Mitglieder können den Artikel auch im E-Magazin abrufen.