Der Lebensversicherer und Run-off-Anbieter Athene hat laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) einige strategische Wechsel eingeleitet. Zum einen benannte sich das Unternehmen, das einst als Delta Lloyd firmierte, in Athora um. Zum anderen hat Athora ihr Geschäftsfeld erweitert und will auch als Rückversicherer aktiv werden. 

Die Abwicklungsplattform begründet diesen Schritt mit dem massiven Imageproblem, das ein im Fachjargon externer Run-off mit sich bringt, bei dem entweder die Lebensversicherungsbestände oder ein ganzer Lebensversicherer an eine nicht-konzerneigene Gesellschaft übertragen wird (FONDS professionell ONLINE berichtete ausführlich).

Rückversicherung als Lösung des Imageproblems
"Das Problem ist die große Intransparenz", lässt die SZ stellvertretend für viele Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten, zu Wort kommen. "Wir befürchten, dass das neue Unternehmen alle Möglichkeiten und Tricks ausschöpfen wird, um die Kundinnen und Kunden möglichst schlecht mit Überschüssen zu bedienen." Dabei sind sich Experten einig, dass ein solcher Run-off auch Vorteile haben kann – sowohl für die Versicherer, die im Niedrigzinsumfeld unter den Pflichten aus hohen Altgarantien leiden, als auch für die Kunden.

Um der Assekuranz hier unter die Arme zu greifen, will Athora die Rückversicherungslösung anbieten. Dabei gibt ein Versicherer die Bestände nicht in den externen Run-off, sie bleiben bei ihm. "Wir übernehmen nur die Risiken und die Kapitalanlagen als Rückversicherer", zitiert die SZ Athora-Deutschlandchef Christian Thimann. "Damit reicht der Lebensversicherer das Risiko, dass er mit den Kapitalanlagen nicht die Garantiezinsen erwirtschaftet, an uns weiter." Dasselbe gelte für die Risiken, die aus der längeren Lebensdauer vieler Kunden entstehen. "Wir können das Kapital effizienter anlegen und eine höhere Rendite erwirtschaften", schreibt die Zeitung.  

Wie reagiert die Bafin?
Als Gegenleistung für die Übernahme der Risiken zahlt der Lebensversicherer eine Prämie. "Weil die Kapitalentlastung so groß ist, rechnet sich das", sagt Thimann. Der Athora-Chef berichtet weiter, dass das Interesse an der Lösung im Markt groß sei. In den USA oder Großbritannien sei das Modell schon längst Standard.

Fraglich ist laut der SZ aber, wie Politiker und Verbraucherschützer darauf reagieren werden. Zudem dürfte die Finanzaufsicht nicht zulassen, dass ein Rückversicherer das komplette Risiko übernimmt. Ein Teil dürfte beim Lebensversicherer verbleiben. (jb)