Der weitaus überwiegende Teil der in Europa in eine fondsgebundene, betriebliche Altersvorsorge (bAV) gesteckten Mittel verharren in Basisportfolios. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des auf die Asset-Management-Industrie spezialisierten Analysehauses Cerulli Associates. Demnach bleiben 85 bis 90 Prozent der in betriebliche Altersvorsorgeprogramme eingezahlten Beiträge in jenen Standardfonds, welche die Anleger beim Abschluss vorgeschlagen bekamen. Nur ein Bruchteil der Arbeitnehmer stellte eigene Investmentideen zusammen, und auch nur wenige tauschten die Ursprungsfonds im Laufe der Zeit tatsächlich aus.

Der europäische Markt für betriebliche Altersvorsorgeprodukte ohne Garantieleistung wächst. Per Ende 2016 bezifferte sich das Volumen auf zwei Billionen Euro. Bis 2022 steigt das Volumen auf 34 Billionen Euro, schätzen die Analysten von Cerulli Associates. Für Asset Manager berge dieses Segment daher enormes Wachstumspotenzial – sofern es ihnen gelinge, an die in den Standardvehikeln lagernden Mittel heranzukommen.

Der Großteil des Geldes liegt in Multi-Asset-Portfolios, ergab die Studie. "Das überrascht kaum", kommentiert Ilonka Oudenampsen, Senior-Analystin bei Cerulli Associates.

Garantiefreie Modelle in der Minderheit
Die Voraussetzungen in Europa sind dafür aber je nach Land sehr unterschiedlich. Eine ausschließlich auf Investmentprodukten fußende, vom Arbeitgeber geförderte Altersvorsorge ohne garantierte Leistungen gibt es nur in Großbritannien, Irland, den Niederlanden sowie Schweden und Italien. "In vielen Ländern existieren Hybridsysteme", sagt Oudenampsen. Hierbei werde eine fondsgebundene Vorsorge mit einer Mindestgarantie verknüpft.

In Deutschland ist mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz nun ebenfalls die Entwicklung von Produkten ohne garantierte Leistung möglich. Hiergegen hatte sich die Assekuranz massiv gewehrt. Denn dadurch büßen die Versicherer ihr Alleinstellungsmerkmal – das Gewähren von Garantien – gegenüber Fondsanbietern ein.

Dennoch wurde das Garantieverbot durchgesetzt. Dies soll insbesondere kleine und mittlere Unternehmen aus der Gewährleistungspflicht entlassen und so das Modell der betrieblichen Altersvorsorge attraktiver und populärer machen. (ert)