Die deutsche Versicherungsbranche hat gerade Berichtssaison, die Zahlen für das dritte Quartal und für die ersten neun Monate liegen vor. Damit tritt, sicher nur vorübergehend, ein Thema etwas in den Hintergrund, dass die vergangenen Wochen und Monate insbesondere die Lebensversicherer beschäftigte: Die Übertragung älterer, hochverzinster Lebensversicherungen an externe Gesellschaften – im Fachjargon "Run-off" genannt.

Allerdings dürften die öffentlichkeitswirksamen Diskussionen über diese Run-off-Variante innerhalb der Branche selbst sowie mit Verbraucherschützern bald ohnehin der Vergangenheit angehören. Zumindest ist das die Einschätzung von Noch-Talanx-Chef Herbert Haas: "Auch bei uns in Deutschland dürfte es zur Routine werden, wenn der erste Aufschrei vorbei ist", sagt er in einem Interview mit dem Handelsblatt.

"Abwickler machen ordentliche Arbeit"
Der Branchenkenner meint, dass sich die ganze Aufregung um die Pläne der Ergo und der Generali und die damit verbundenen Sorgen um die Sicherheit der Verträge in einem Zeitraum von zwei Jahren wieder verflüchtigen werde. "Ich bin mir sicher, dass die Abwickler die Arbeit ordentlich machen werden, und die Bafin achtet ja auch darauf. Wenn Sie in andere Länder schauen wie Großbritannien, dann ist dort Abwicklung ein tägliches Geschäft", zitiert die Zeitung Haas weiter, der im Mai 2018 in den Aufsichtsrat des Versicherungskonzerns wechseln wird.

Die positive Bewertung der Übertragungen durch Haas könnte auch daher rühren, dass seine Gesellschaft in Zukunft eventuell doch einen externen Run-off anstrebt, obwohl sie sich bislang stets dagegen ausgesprochen hat. Die Konzerntochter HDI Leben hat zwar Stand August eine Solvenzquote von 315 Prozent, welche die für die Erfüllung von Garantien in klassischen Lebenspolicen wichtige Eigenmittelausstattung misst (FONDS professionell ONLINE berichtete über Details) – allerdings unter Berücksichtigung von Übergangsmaßnahmen. Auch die Töchter Neue Leben und Postbank Leben überspringen die in dem Kontext magische Solvenzquote von 100 Prozent nur mithilfe von Übergangsregelungen.

Rückläufiges Lebensgeschäft
Der Versicherer setzt aber schon seit einiger Zeit verstärkt auf Policen mit einem alternativen Garantiemodell, die weniger Kapital binden. Das schlägt sich auch in den aktuellen Zahlen nieder. So liegt der Anteil kapitaleffizienter und biometrischer Produkte am Neugeschäft in den ersten neun Monaten 2017 bei 72 Prozent.

Insgesamt entwickelte sich dieser Bereich laut Talanx wie erwartet rückläufig: Die Höhe der Prämien reduzierte sich um 3,4 Prozent auf 3,4 (3,5) Milliarden Euro. Das Neugeschäft bei Lebensversicherungsprodukten verringerte sich insgesamt ebenfalls: Gemessen am sogenannten Jahresbeitragsäquivalent betrug es 280 statt 296 Millionen Euro wie im Vorjahreszeitraum. Die Talanx-Gruppe als Ganzes hat nach eigenen Angaben wegen außergewöhnlich hoher Belastungen aus Naturkatastrophen auch nur einen Neunmonatsgewinn von 444 Millionen Euro erzielt – nach neun Monaten im Vorjahr standen 636 Millionen Euro in den Büchern. (jb)