Den europäischen Fondsanbietern droht eine wachsende Konkurrenz nicht nur seitens einer Armada preisagressiver ETF-Anbieter, sondern auch durch die Asset-Management-Ableger von Versicherern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der auf die Investmentindustrie spezialisierten Analysegesellschaft Cerulli Associates. Angesichts der mageren Prämien in ihrem Stammgeschäft seien die Erträge aus der Verwaltung externer Vermögen eine willkommene, zusätzliche Einnahmequelle für die Assekuranz.

Als Investoren mit langer Erfahrung in risikoarmen, auf regelmäßige Erträge ausgerichteten Strategien seien Versicherer praktisch von Natur aus die idealen Anlaufstellen für Pensionskassen und Versorgungswerke, argumentieren die Cerulli-Experten. Zudem horten die Versicherer hohe Barbestände in ihren Kassen. Sie verfügen daher über die Mittel, neue Publikumsfonds zu finanzieren, auf dem Markt zu platzieren und über ihre eigenen Kanäle zu vertreiben.

Gleichauf mit den Branchengrößen
"Die Top-Versicherungstöchter rangieren gleichauf mit den großen Fondshäusern, wenn es um Mandate von Pensionseinrichtungen geht", sagt Justina Deveikyte, Analystin bei Cerulli Associates. "Eine Führungsperson sagte uns, dass die Asset Manager sowohl ein 'großes Geschäftsvolumen', als auch zahlreiche Investmentprofis verlieren."

Besonders im Anleihebereich sowie im Feld Private Debt hätten die Investmenttöchter der Versicherer bereits eine umfassende Expertise aufgebaut. Die Strategien würden zwar zunächst hausintern genutzt, dann auch anderen Versicherern angeboten und schließlich an weitere Drittkunden vertrieben. Daher weisen die Strategien der Versicherungsableger häufig schon eine lange Historie auf, wenn sie schließlich auf dem breiteren Publikum feilgeboten werden.

Rettung in der Nische
Die größeren, unabhängigen Asset Manager verfügten zwar ebenfalls über ausreichend Kapital, um den Start neuer Fonds anzuschieben. Doch bei den Banktöchtern sei dies aufgrund der strikteren Kapitalvorschriften nicht mehr so einfach. Und kleinere, unabhängige Fondsanbieter hätten nicht die Mittel, um es bei der Entwicklung und Markteinführung neuer Produkte mit der Finanzkraft der Versicherungstöchtern aufzunehmen, meinen die Analysten. Für sie bleibt nur der Weg in die Spezialisierung und die Hoffnung, neue Nischen als erster zu entdecken und zu besetzen. (ert)