Setzt die "Ampel" um, was sie sich vorgenommen hat, müssen sich Finanzdienstleister auf einschneidende Änderungen einstellen. SPD, Grüne und FDP wollen das "System der privaten Altersvorsorge grundlegend reformieren", wie es im 178 Seiten starken Koalitionsvertrag heißt. Als Alternative wird zum Beispiel ein "öffentlich verantworteter Fonds mit einem effektiven und kostengünstigen Angebot" genannt.

In einem Punkt konnten große Teile der Branche immerhin aufatmen: Das zeitweise diskutierte Vorhaben, die Provisions- schrittweise durch eine Honorarberatung zu ersetzen, fand keinen Eingang in den Koalitionsvertrag. Das heißt allerdings nicht, dass die Regierung dieses Projekt eines Tages nicht doch noch angeht, handelt es sich doch um eine Herzensangelegenheit der Grünen. Und zum oben erwähnten Stichwort "grundlegende Reform der Altersvorsorge" würde ein Provisionsverbot ohne Frage gut passen.

Ein wichtiges Vorhaben fehlt im Koalitionsvertrag
Viel nötiger wäre eine Reform allerdings in einem anderen Bereich: der Finanzbildung. Wie es darum bestellt ist, zeigte jüngst eine Umfrage der Postbank. Demnach weiß nur gut jeder zweite 16- bis 29-Jährige, dass die Inflation sein Erspartes schmälert. Fast jeder Vierte aus dieser Altersgruppe ist sogar davon überzeugt, dass sein Geld auf dem Konto durch die Teuerung an Wert zulegt. Das ist erschreckend. Wie sollen diese Bürger jemals informierte Finanzentscheidungen treffen?

Im Wahlprogramm der Grünen kam der Begriff "Finanzbildung" übrigens genau einmal vor. Sie sehen nicht etwa die Schulen in der Pflicht, sondern die Finanzaufsicht. In den Programmen von SPD und FDP findet sich das Wort gleich gar nicht, auch in den Koalitionsvertrag fand es keinen Eingang. Das ist ein echtes Versäumnis. Denn ein Mehr an Finanzbildung würde manche Regulierung schlicht überflüssig machen.