Die Ergo Versicherung macht einen Rückzieher. Sie hat vor kurzem mitgeteilt, dass sie ihre älteren Lebensversicherungsbestände nicht an eine fremde Gesellschaft überträgt – eine Entscheidung, mit der die in Düsseldorf ansässige Gesellschaft Vermittlern einen Gefallen getan hat.

Die ins Auge gefasste Übertragung – im Fachjargon "Run-off" genannt –, über die auch die Mitbewerber Generali und Axa nachdenken, hat in der Öffentlichkeit ein negatives Echo hervorgerufen. Verbraucherschützer kritisieren etwa, dass Kunden schlechter gestellt werden könnten, vor allem mit Blick auf die Überschüsse.

Zahlreiche Medien veröffentlichen zurzeit mehr oder weniger seriöse Tipps, was Kunden im Falle einer Übertragung mit ihren Policen machen können. Berater, die diese Versicherungen einst vermittelten, werden von ihren Kunden deshalb mit Fragen zur Zukunft ihrer Verträge bombardiert.

Makler müssen Kunden rechtzeitig informieren
Freie Vermittler dürfen aber nicht abwarten, bis der Kunde selbst bei ihnen anklopft. "Makler müssen ihre Kunden rechtzeitig auf mögliche Änderungen hinweisen. Sie haben schließlich ein Dauerberatungsmandat, aus dem entsprechende Pflichten erwachsen", so Thomas Leithoff, Rechtsanwalt in der Berliner Kanzlei Johannsen (Näheres zu Pflichten eines Maklers bei einem Run-off lesen Sie in dem Artikel "Flucht vor dem Kunden", der in aktuellen Ausgabe 4/2017 erschienen ist. FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen).

Dem Juristen zufolge müsse der Makler dem Kunden unter Umständen auch Alternativen zu seiner Police aufzeigen. Das gelte in erster Linie bei einem externen Run-off, da bei einer internen Abwicklung der Risikoträger derselbe bleibt. Macht er das nicht und der Kunde erleidet Nachteile, trägt er die Verantwortung.

Allerdings müsse ein Makler wohl nicht fürchten, dass ein Kunde ihn nachträglich in Haftung nimmt, wenn die Run-off-Plattform die Garantien nicht erfüllen kann. "Bei einem externen Run-off überprüft die Bafin im Vorfeld, dass die Kapitalausstattung der aufnehmenden Gesellschaft ausreichend ist", so Leithoff. Auf diese Prüfung dürfe sich der Makler verlassen.

Widerrufsjoker als Chance
Versicherungsnehmer könnten sich aber auch ohne konkrete Run-off-Gefahr an ihren Vermittler wenden und nachhorchen, ob etwa die Fortführung der Lebenspolice Sinne macht. Die Deutsche Gesellschaft für Ruhestandsplanung (DGfRP) macht in diesem Zusammenhang auf den vom Bundesgerichtshof 2014 bestätigten "Widerrufsjoker" aufmerksam. Dieser bedeutet zumindest für einige Kunden die Chance auf einen Ausstieg aus dem Vertrag: Fehlerhafte Widerrufsbelehrungen für Verträge mit Beginn zwischen Ende 1994 und Ende 2007 sorgen dafür, dass Kunden viele diese Policen annullieren können. Das frei gewordene Kapital können sie etwa in Fonds stecken. (jb)


In seinem Vortrag "Unfassbar, BGH kippt Lebensversicherungen" auf dem FONDS professionell KONGRESS 2018 in Mannheim (25. Januar, 14.15 Uhr) erläutert Peter Härtling, Geschäftsführer der DGfRP, wie ein Widerruf der Lebensversicherung erfolgen kann – und welche Möglichkeiten für "Cross Selling" ein Widerrufstipp Vermittlern eröffnet.