FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2014

W olfgang Schäuble hätte in diesem August allen Grund zum Feiern ge- habt: Die Rendite zehnjähriger Bun- desstaatsanleihen fiel unter ein Prozent – so billig war staatliches Schuldenmachen noch nie. Für zweijährige Papiere liehen Anleger dem Bundesfinanzminister sogar Geld, ohne Zinsen dafür zu verlangen. Des einen Freud ist bekanntlich des anderen Leid; wer Geld anlegen muss, hat inzwischen echte Probleme, eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften. Dennoch finden sich immer noch Papiere bekannter Unternehmen, die sechs bis acht Prozent jährlichen Ertrag bieten: sogenannte CoCo-Bonds – spezielle Nachranganleihen europäischer Banken, die ihren Investoren im Krisenfall beträchtliche Verluste bescheren können, in guten Zeiten aber hohe Kupons versprechen. Inzwischen gibt es erste Fonds mit Privatanlegertranchen, sodass im Prinzip jeder in diese Anlage- klasse investieren kann. Zu empfehlen sind diese Fonds allerdings nur als Beimischung für erfahrene Anleger, die den Rententeil ihres Depots aufpeppen wollen. Rasantes Wachstum CoCo steht für „Contingent Convertible“. Im Deutschen hat sich der Begriff Pflichtwan- delanleihe eingebürgert. Wie nor- male Anleihen zahlen sie jährliche Kupons. Sinkt das Eigenkapital der emittierenden Bank allerdings un- ter eine vorher festgelegte Schwel- le (Trigger), werden die Papiere in Aktien getauscht oder im Nennwert abgeschrie- ben. CoCos dienen einer Bank also als zu- sätzlicher Kapitalpuffer, damit künftig nicht mehr der Steuerzahler einspringen muss, um die Institute zu retten – so die Hoff- nung des Regulators. Ohne die Finanzkrise wären sie wohl nie entstanden. Und nun können sie Anlegern dabei helfen, die Fol- gen eines anderen Krisenphänomens – der schmerzlich niedrigen Zinsen – zumindest ein wenig zu lindern. Den ersten CoCo-Bond begab 2009 die britische Bank Lloyds. Es folgten Emissio- nen aus den Niederlanden, der Schweiz und Südeuropa. Im Mai brachte die Deutsche Bank den ersten deutschen CoCo-Bond auf den Markt. Das Segment wächst rasant: Im August war der Markt europaweit gut 65 Mil- liarden Euro groß, 33 Milliarden Euro davon kamen allein in diesem Jahr hinzu. Die 100- Milliarden-Euro-Marke dürfte noch 2014 fal- len, meinen Branchenkenner. Insgesamt könn- te das Volumen bis 2018 auf bis zu 400 Mil- liarden Euro steigen – dann nämlich, wenn al- le Hybridanleihen von Banken gekündigt und in CoCo-Bonds getauscht werden. Ganz un- wahrscheinlich ist das nicht, denn mit diesen Papieren lassen sich die als „Basel III“ bekannten künftigen Eigen- kapitalregeln besser umsetzen. Wer kurz über die Funktionsweise der Co- Co-Bonds nachdenkt, muss sie aus Anleger- sicht zunächst für eine Fehlkonstruktion hal- ten: Der mögliche Gewinn ist durch den Ku- pon gedeckelt, im Krisenfall droht aber der Totalverlust. Der Besitzer einer normalen An- leihe kommt bei einer Insolvenz oft noch recht gut weg, weil er anders als ein Aktionär zumindest einen Teil seines Geldes wieder- sieht. Ein CoCo-Bond wandelt sich allerdings genau dann in eine Aktie. Das klingt nicht nach einem attraktiven Risiko-Rendite-Profil. „Das Risiko wird bezahlt“ „Anleger müssen sich natürlich darüber im Klaren sein, dass CoCo-Bonds riskante Invest- ments sind. Doch immerhin wird das Risiko bei diesen Papieren noch bezahlt – anders als in vielen anderen Segmenten des Anleihemarktes“, sagt Robert Van Kleeck, Manager des Assenagon Credit Subdebt and CoCo Fund. „Der Renditeaufschlag zu nor- malen Nachranganleihen von Banken beträgt derzeit zwei bis drei Prozentpunkte. Viele CoCos bieten sogar mehr Zinsen als Hochzinsanleihen mit ‚CCC‘-Rating, die als hochgradig ausfallgefährdet gelten dürfen.“ Der im Januar lancierte Assenagon-Fonds ist der erste eines deutschen Anbie- ters, der sich auf CoCo-Bonds und Nachranganleihen von Finanzinstituten konzentriert. Union Investment folgte im August, dieser Fonds steht allerdings nur institutionellen Investoren offen. Van Kleeck zufolge spricht neben den hohen Zinsen ein weiteres Argument für CoCos: Europas Banken werden stärker. Sie schrumpfen ihre Bilanzen, bauen Risi- ken ab und stärken ihr Eigenkapital. „Für einen Aktionär ist eine Kapitalerhöhung eine schlechte Nachricht, weil seine Anteile verwässert werden. Der Kurs eines CoCo- Bonds dagegen steigt, weil das Risiko sinkt, dass die Kapitalquote unter den Schwellenwert fällt.“ Dazu komme, dass CoCo-Bonds nicht wesentlich unsicherer „Contingent Convertibles“ werfen bis zu acht Prozent Rendite ab. Ganz einfach zu knacken sind diese „CoCo“ genannten Papiere aber nicht – wie echte Kokosnüsse auch. 120 www.fondsprofessionell.de | 3/2014 markt & strategie I coco-bonds Foto: © Draftmode_Dreamstime Spezielle Bankanleihen, bekannt als CoCo-Bonds, bieten verlockend hohe Zinsen. Mehr als eine Beimischung sollten sie in einem Portfolio aber nicht sein. Harte Rendite -Nuss Rendite-Oasen Seit Januar stehen Privatanlegern drei Fonds mit Fokus auf CoCo-Bonds und Nachranganleihen von Banken offen.

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