FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2014

bank & fonds I oliver flaskämper | bitcoin.de 284 www.fondsprofessionell.de | 3/2014 Foto: © Oliver Schmauch D as Phänomen Bitcoin wird nach wie vor heiß diskutiert. Für die einen ist das Computergeld das neue digitale Gold, für die anderen ledig- lich eine hochspekulative Spielerei. Doch kaum jemand weiß genau, was sich tat- sächlich hinter der digitalen Währung verbirgt. Die Redaktion sprach mit dem Bitcoin-Experten Oliver Flaskämper über Anlagemöglichkeiten, die Risiken und die Zukunft des Bitcoin. Flaskämper betreibt in Kooperation mit der Fidor Bank die Internetseite www.bitcoin.de , den größ- ten deutschen Handelsplatz für die Kryptowährung. Herr Flaskämper, Sie sind ein klassi- scher Unternehmertyp. Sie treiben Neues voran und konzentrieren sich dabei auf Geschäftsideen im Internet. Unter anderem haben Sie das Schreibportal www.content.de ge- gründet und sitzen im Aufsichtsrat von www.firma.de. Wie kamen Sie auf das Thema Bitcoin? Oliver Flaskämper: Die Möglichkeiten, die sich durch den Bitcoin bieten, haben mich von Anfang an fasziniert – auch weil ich frü- her selbst ein wenig programmiert habe. Das letzte Mal, dass mich eine Idee ähnlich elek- trisiert hat, war 1998 beim Kauf meiner ersten Domainnamen. Damals konnte ich ein eige- nes Grundstück im Netz abstecken und inves- tierte damit in ein beschränktes Gut. Genauso ist es heute mit den Bitcoins: Sie sind virtuell, aber in der absoluten Menge beschränkt. Wenn man früh dabei ist, kann etwas Großes daraus entstehen – eine Garantie dafür gibt es aber nicht. Da wir gemeinsam im Team bereits einige Geschäftsideen erfolgreich im Internet umgesetzt haben, beispielsweise das Portal www.geizkragen.de oder www.con- tent.de – eine Vermarktungsseite für redaktio- nelle Texte –, haben wir uns mit www.bit- coin.de an einen Marktplatz für virtuelle Wäh- rungen herangewagt. Wie erklären Sie einem Laien, was Bit- coins sind? Flaskämper: Die Idee von Bitcoin ist es, eine freie, von Zentralbanken unabhängige Wäh- rung zu schaffen, die dezentral durch ein Computernetz geschöpft und verwaltet wird und für internationale elektronische Überwei- sungen geeignet ist. Hinter dem Bitcoin steht keine zentrale Institution, sondern ein mathe- matischer Algorithmus, der das System steuert. Die Rechenvorschrift legt bei- spielsweise fest, dass derzeit etwa alle zehn Minuten neue Einheiten durch Rech- nerleistung entstehen und es zukünftig ma- ximal 21 Millionen Bitcoins geben kann. Jeder, der die entsprechende Software ein- setzt, kann am weltweiten Bitcoin-Netz- werk teilnehmen. Mit dem Bitcoin ist Friedrich von Hayeks Vision einer freien Marktwährung ein Stück weit real gewor- den: Die Macht über das Geld ist in die Hände des Volkes gekommen. Der amerikanische Wirtschaftsnobel- preisträger Paul Krugman bezeichnet den Bitcoin als ein Experiment und glaubt nicht daran, dass er funktio- nieren wird. In welchem Entwicklungs- stadium befindet sich der Bitcoin aus Ihrer Sicht? Flaskämper: Jede neue Idee durchläuft be- kanntermaßen vier Zyklen: Erst wird sie ignoriert, dann belächelt, danach bekämpft und schlussendlich kopiert. Daraufhin är- gert sich jeder, dass er nicht früher auf den Zug aufgesprungen ist. Anfangs waren die meisten Firmen skeptisch und vermuteten, dass der Bitcoin nach einem Jahr wieder ver- schwunden sein würde, die neue Kryptowäh- rung galt als bloße Zeiterscheinung. Mittler- weile wundern sich viele, dass sie nach fünf Jahren noch immer existiert. Es gibt bereits die ersten Banken, beispielsweise die nieder- ländische ING, die sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen. Auch Zahlungsanbieter wie Western Union überlegen, die neue Wäh- rung in ihr bestehendes Geschäftsmodell zu integrieren. Das kommt nicht von ungefähr, denn die sogenannte Blockchain-Technik, die hinter dem Bitcoin steht und eine Datenbank mit allen bisher getätigten Transaktionen dar- stellt, eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. So kann man damit Börsen oder Grundbücher digitalisieren. In diesem Bereich entwickeln wir uns rasend schnell weiter. Für einige ist Seit gut fünf Jahren existiert der Bitcoin als digitale Währung – trotz aller Risiken und negativer Schlagzeilen. Zwar investieren spekulative Anleger in das geheimnisumwitterte Computergeld, doch für die meisten Menschen – Finanzexperten inklusive – ist Bitcoin nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln. FONDS professionell sprach mit Oliver Flaskämper , dem Betreiber der Internethandelsplattform www.bitcoin.de , über das Cybergeld. » Es gibt bereits die ersten Banken, beispielsweise die nieder- ländische ING, die sich ernsthaft mit dem Thema Bitcoin beschäftigen. « Oliver Flaskämper, Bitcoin.de Oliver Flaskämper: „Die Technik hinter dem Bitcoin eröffnet ungeahnte Möglichkeiten.“ „Nichts für schwache Nerven

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